Leben in Fülle

Gedanken zu Lk 20,27-38

„Jesus wehrt sich dagegen, dass das Leben nach dem Tod nur eine einfache Verlängerung des Lebens vor dem Tod ist.“ Foto: dpa

 

Unsere Bilder und Vergleiche vermögen nur anzudeuten, was mit der Fülle des Lebens nach dem Tod gemeint ist.

von Wolfgang Winkelmann

Wie wird es nach dem Tode sein? Wie dürfen wir uns das Leben nach der Auferstehung vorstellen? Um diese Fragen geht es im Streitgespräch Jesu mit den Sadduzäern. Sie wollen nicht wirklich mit Jesus reden, sondern sie wollen den Glauben an ein Leben nach dem Tod lächerlich machen.

Die Sadduzäer waren eher konservative Juden, die sich streng an alte jüdische Überlieferungen hielten. Die alten Hebräer kannten keinen eigentlichen Jenseitsglauben und so wählen die Sadduzäer jenes absurde Beispiel von der einen Frau, die nacheinander sieben Brüder heiratet, um alles Gerede von einem Leben nach dem Tod lächerlich zu machen. Mit welchem Mann ist die Frau denn wohl im Himmel verheiratet? Jesus wehrt sich dagegen, dass das Leben nach dem Tod nur einfach eine Verlängerung des irdischen Lebens sein soll. Nach dem Tod gelten für ihn ganz andere Maßstäbe. Die Sadduzäer waren nicht die Ersten und nicht die Letzten, die den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod lächerlich fanden.

Haben sich viele von uns nicht auch schon mit solchen Fragen herumgeschlagen?

Ist es nicht auch für uns schwierig, an die Auferstehung der Toten zu glauben?

Die Frage nach dem Leben, das auf den Tod folgt, hat eigentlich etwas mit dem Sinn des Lebens selbst zu tun. Viele Menschen tun sich schwer, einen richtigen Sinn im Leben zu sehen. Sie sagen: Der Mensch wird geboren, ohne gefragt zu werden. Er hat Eltern, die er sich nicht ausgesucht hat. Mühe und Arbeit bestimmen das Leben. Viele Menschen sind krank, andere arm und hilfsbedürftig. Dann gibt es auch Menschen, die sind gesund, reich und glücklich. Die Tatsache der unterschiedlichen Geschichten der Menschen wird oft als ungerecht empfunden. Schließlich beendet der Tod das irdische Mühen.

Der Mensch stirbt, ohne gefragt zu werden. Beziehungen werden zerrissen. Der gläubige Mensch kann dieser pessimistischen Sicht vom Leben ein positives Bild gegenüberstellen: Gott hat den Menschen als sein Ebenbild geschaffen. Er hat ihn mit Vernunft und anderen guten Gaben ausgestattet. Gott will, dass jeder Mensch sich für die Schöpfung verantwortlich fühlt und an ihr mitarbeitet. Jeder Mensch ist von Gott gewollt und einmalig in seiner Art.

Alle Menschen, die im Leben an ihn geglaubt und auf ihn gehofft haben, schenkt er Glück und Zufriedenheit in einem Leben, das nie enden wird. Am Ende steht zwar auch für den Christen der Tod, aber er ist ein Tor, ein Tor zu dem ganz neuen Leben.

Am Ende unseres Lebens stehen wir vor Gott. Er schließt uns in seine gütigen Arme.

Alles Schwere fällt vom Menschen ab. Alle irdischen Gesetze und Maßstäbe verlieren ihren Wert. Sternstunden in unserem Leben, wo wir Liebe, Zuneigung und Geborgenheit erfahren durften, lassen uns erahnen, was uns da erwartet:

Das Leben in Fülle!

Zum Autor: Pfr. Wolfgang Winkelmann ist Leiter des Pastoralverbundes Siegen-Mitte.

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