Lass dich überraschen!

Gedanken zu Joh 21, 1-14

Wer auf Gott vertraut, hat keine Angst vor seinen Überraschungen.

Was ist wohl drin? Bei diesen Produkten lockt die Aussicht auf eine Überraschung auch im Erwachsenenalter, obwohl man schon vorher weiß, dass sie nicht allzu lange anhalten wird. Foto: dpa

 

von Stefan Tausch

Gott ist immer wieder für eine Überraschung gut! Unermüdlich lädt Papst Franziskus die Kirche und ihre Gläubigen ein, sich auf dieses „Geheimnis unseres Glaubens“ einzulassen: „Der auferstandene Jesus ist nicht mehr in der Vergangenheit, sondern er lebt in der Gegenwart und ist auf die Zukunft hin ausgerichtet. Verschließen wir uns nicht in uns selbst, verlieren wir nicht die Zuversicht, geben wir niemals auf“ (vgl. Papst Franziskus in seiner Osterpredigt 2013). Leicht gesagt, so würden die Jünger dem Papst vielleicht antworten. Vor wenigen Jahren hatten sie sich ja vom Ruf Jesu überraschen lassen und auf ihn eingelassen. Nach dem Tod Jesu aber war der Traum vom faszinierenden Messias geplatzt wie eine Seifenblase.

Also zurück zu den Wurzeln. Petrus ergreift die Initiative: „Ich gehe fischen. Das habe ich gelernt. Das kenne ich. Da bin ich Profi.“ Und, nicht wirklich überraschend, spricht Petrus seinen Kollegen aus der Seele. Gemeinsam also knüpfen sie nach ihrer „Auszeit als Menschenfischer“ an ihre erste Berufsausbildung an: „Schuster, bleib bei deinen Leisten.“ Hauptsache, die Trauer um den verstorbenen Jesus nimmt endlich ein Ende. So kann es auf keinen Fall weitergehen!

Doch sehr bald erleben sie die nächste Überraschung: „Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.“ Erfolglosigkeit auf breiter Linie. Alle Berufserfahrung, alle technischen Hilfsmittel nutzen nichts. Und in dieser ohnehin angespannten Stimmung direkt die nächste Überraschung. Ein fremder Mann erkundigt sich nach ihrem Erfolg. Eigentlich hätte er auch ohne Nachfragen an den leeren Netzen bzw. auch an den leeren Gesichtern erkennen können, dass hier nach der erfolglosen Nacht nichts zu holen ist. Was mögen die müden Fischer empfunden haben: „Warum fragt er uns? Der sieht doch, dass unsere Netze leer sind. Soll er uns doch in Ruhe lassen!“ Der Fremde aber lässt nicht locker und legt zur Überraschung der Berufsfischer noch einen drauf: „Neues Spiel – neues Glück! Lasst euch nicht unterkriegen und entmutigen! Einmal versucht es noch! Dann wird es klappen!“ Petrus und Co. folgen seinem Vorschlag. Warum auch immer. Sie lassen sich auf den Fremden ein. Sie wollen es noch einmal wissen: „Mehr als schiefgehen kann es ja nicht. So schnell lassen wir uns nicht unterkriegen. Auf eine Pleite mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an.“ So lassen sie sich auf das Experiment ein und erleben die nächste dicke Überraschung!

Angesichts dieses überraschenden Erfolges gehen dem Lieblingsjünger die Augen auf. Er erkennt den Auferstandenen und erinnert sich: „Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich“ (vgl. Mt 19,26). Sofort lässt er Petrus an seiner überraschenden Erkenntnis teilhaben: „Es ist der Herr!“

Die französische Mystikerin Madeleine Delbrêl knüpft an diese überraschende Ostererfahrung an und ermutigt uns auf ihre Weise, sich heute für Gott und seine bisweilen sehr großen Überraschungen zu öffnen – mitten im Alltag in Hoffnung und Verzweiflung, in Leere und Fülle, im Scheitern und im Erfolg:

Geht in euren Tag hinaus ohne vorgefasste Ideen,

ohne die Erwartung von Müdigkeit,

ohne Plan von Gott, ohne Bescheidwissen über ihn,

ohne Enthusiasmus,

ohne Bibliothek –

geht so auf die Begegnung mit ihm zu.

Brecht auf ohne Landkarte –

und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist

und nicht erst am Ziel.

Versucht nicht, ihn nach Originalrezepten zu finden,

sondern lasst euch von ihm finden

in der Armut eines banalen Lebens.

Zum Autor: Pastor Stefan Tausch leitet das Bildungs- und Exerzitienhaus St. Bonifatius in Winterberg-­Elkeringhausen.

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