Kritischer Blick nach innen

Ein Kommentar von Andreas Wiedenhaus

Eines kann man Papst Franziskus mit Sicherheit nicht vorwerfen: Dass er Angst davor hätte, „heiße Eisen“ anzufassen.

Einen neuen Beweis für seinen Hang, auch Dinge beim Namen zu nennen, die ihm innerkirchlich nicht unbedingt Freunde machen, liefert sein Schreiben an die Lateinamerika-Kommission. Darin warnt er die Priester vor zu viel „Klerikalismus“, der den Laien nur eine untergeordnete Rolle zugestehe.

Dieses Thema beschäftigt den Papst seit seinem Amtsantritt. Dabei geht es ihm weniger um die Frage, ob sich Amtsträger zu wichtig nehmen, sondern darum, dass ein solches Verhalten die Kirche daran hindert, einen wirklichen Aufbruch zu vollziehen und sich den Aufgaben zu widmen, die sich ihr in einer modernen pluralen Gesellschaft stellen. Die Sicht nach innen mag im Moment bequemer sein, letztlich aber dürfte sie sich als fatal herausstellen.

Denn eine Kirche, die zu sehr klerikal fixiert ist, setzt sich langfristig der Gefahr aus, nicht mehr relevant für die Menschen zu sein. Das geht nicht nur dem aktuellen Papst gegen den Strich – es hat auch nichts mit ihrem eigentlichen Auftrag und ihrer Sendung, bei den Menschen zu sein, zu tun.

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