"Kirchenspaltung ist Gottesverrat"

Professor Berger beim ökumenischen Neujahrsempfang: Lest Martin Luther!

Hagen/Witten. „Der katholische Luther. Gemeinsames stark machen, Trennendes nicht vernebeln“, lautete das Thema des Vortrages beim diesjährigen ökumenischen Neujahrsempfang in Hagen. Es sprach Prof. Dr. Klaus Berger, emeritierter Professor an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg und Autor zahlreicher Bücher.

Dechant Dr. Norbert Bathen, Prof. Dr. Klaus Berger und Superintendentin Verena Schmidt (v. l.) beim Neujahrsempfang. Foto: Piela

 

von Ingrid Piela

Wachsendes Desinteresse am Christentum und der Islam im „eigenen Haus“ zwinge zur Annäherung und Einheit. Schon vor Jahren habe sein Beitrag zum Thema geheißen „Kirchenspaltung ist Gottesverrat“, sagte der 76-Jährige. In einem seiner Bücher habe er die Exegeten aufgefordert, sich in ihrer misstrauischen Herangehensweise an die Bibel zu mäßigen.

Ausführlich widmete sich Berger in seinem Vortrag dem „Herzstück der Reformation“, der Rechtfertigung aus Gnaden allein und ganz besonders dem Ablasshandel, der der unmittelbare Anlass für die Reformation gewesen sei. Luther habe nichts gegen den Ablass und verteidige in den Thesen den Papst. Luther jedoch frage spöttisch, warum der Papst bei seiner Vollmacht nicht gleich die ganze Hölle leere. Berger würde diese Frage gerne an den Herrgott weitergeben: „Wenn zwar nicht der Papst, wohl aber der Herrgott allmächtig ist, warum schließt er nicht die Hölle, Gottes Guantánamo?“ Die Antwort laute wohl: „Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.“

Berger sagt von sich, er sei kein „Ablass-Fan oder -Sammler“. Er habe sich mit ihm aber auseinandergesetzt und an zwei Beispielen die Übersetzung versucht sowie zwei Thesen entwickelt: Der Ablass diene dazu, die Angst vor dem Zusammenhang von Sünde und irdischem Leiden aufzubrechen, und der Ablass für die Verstorbenen sei ein Gebet, das die Ängste in gläubigem Vertrauen überwinden könne. „Lest Luther!“, gab er den Gästen zum Schluss seines Vortrages als Botschaft mit auf den Weg.

Der Vortrag fand vor rund 300 Gästen aus Politik, Gesellschaft und Kirche, darunter auch vielen Ehrenamtlichen, im Sparkassen-Karree in Hagen statt. Er schloss sich an einen ökumenischen Gottesdienst in der St.-Marien-Kirche an, der unter dem Motto „Christus – unsere Mitte“ von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hagen und Umgebung vorbereitet worden war. Erik O. Schulz, Oberbürgermeister der Stadt Hagen, und Dechant Dr. Norbert Bathen sprachen Grußworte.

Dr. Bathen erläuterte die ungewöhnliche Vita des nicht unumstrittenen Theologen. Professor Berger wurde katholisch getauft und wollte eigentlich katholischer Priester werden. Dass seine erste Dissertation aus theologisch-­inhaltlichen Gründen abgelehnt wurde, hatte jedoch die negative Konsequenz, dass er sich diesen Berufswunsch nicht erfüllen konnte. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit in den Niederlanden promovierte er 1971, woran sich eine erfolgreiche Habilitation anschloss, die ihn 1974 an die Universität Heidelberg führte – als Professor für Evangelische Theologie. Superintendentin Verena Schmidt dankte dem Referenten für einen Einblick in seine Welt und den Gästen für ihr überaus zahlreiches Erscheinen.

Eingeladen hatten das katholische Dekanat Hagen-Witten und der evangelische Kirchenkreis Hagen. Im Anschluss gab es bei einem Imbiss Gelegenheit zu Austausch und Begegnung.

Musikalisch begleitete die Gruppe „Holy Moly“ mit einer bunten Mischung aus Folk- und Popmusik die Veranstaltung.

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