Kinder, Kinder!

Geistlicher Glaubensimpuls

Um das Erregungspotenzial der folgenden Zeilen etwas abzumildern, machen wir den großen historischen Bogen: Als im Jahr 1077 Kaiser Heinrich IV. nach Canossa zog, um sich dort als Büßer vor dem Papst in den Schnee zu werfen, war das kein Bußgang – jedenfalls nicht nur, sondern auch politische Taktiererei auf allerhöchstem Niveau.

Foto: Alexander H./pixelio

 

von Claudia Auffenberg

Immerhin hatte Jesus den Seinen aufgetragen, dem reuigen Sünder zu vergeben. Papst Gregor konnte gar nicht anders, als den in dieser Weise erschienenen Kaiser vom Bann zu lösen. Seine Majestät kalkulierte also die Barmherzigkeit fest ein.

Auf kleinerem Niveau hat man das ja selbst auch schon erlebt: Wenn ein quengelndes Kind im Gottesdienst stört und die Gottesdienstbesucher schon in mehreren Bankreihen rundhe­rum am Brodeln sind, dann sagt keiner was, weil jeder das vermeintliche Diskussionsbeendigungsargument parat hat: „Lasset die Kinder zu mir kommen“, sagt Jesus – da kann man doch schlecht die süßen Kleinen, die auch noch die Zukunft der Kirche, der Gesellschaft und überhaupt von allem sind, aus dem Gottesdienst vertreiben.

Ein Wirt oder ein Geschäftsmann, so genau war das im Internet nicht zu erkennen, hat auf eine Tafel geschrieben: „Unbeaufsichtigte Kinder bekommen einen Hundewelpen und einen doppelten Espresso geschenkt“. Das ist natürlich ein hinterhältiger Lösungsansatz. Da bleibt man doch lieber beim Herrn. Er lässt die Kinder zu sich kommen, um sie in seine Arme zu nehmen und sie zu segnen. Sie erfahren also Annahme, Zuneigung und Geborgenheit. Wenn das die Kinder heute in der Kirche erleben könnten, wenn sie den Gottesdienst als einen Ort erfahren würden, an dem sie auf Mamas oder Papas Schoß umfassendes und irgendwie heilbringendes Angenommensein erleben, dann wäre das wirklich wunderbar.

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