28.04.2017

Im Dialog Barrieren überwinden

Manfred Jäger von „pax christi“, Projektreferentin Barbara Esser und Dr. Werner Sosna von der Bildungsstätte Liborianum (v. l.).

Paderborn. Gerade wenn Konflikte lange andauern und von Generation zu Generation quasi „vererbt“ werden, scheint es kaum Auswege aus einer solchen Gewaltspirale zu geben. Eine Initiative, die sich trotzdem darum bemüht, ist das Projekt „Ferien vom Krieg“. Mit ihm verfolgt das Komitee für Demokratie und Grundrechte e. V. das Ziel, Barrieren zwischen verfeindeten Gruppen zu überwinden.

Organisiert werden zum Beispiel Dialogseminare für junge Erwachsene aus Israel und Palästina sowie Begegnungen im ehemaligen Jugoslawien: Der friedensstiftende Dialog als Mittel der Annäherung und des Verständnisses füreinander steht dabei im Mittelpunkt. Bei einem Vortrag im Paderborner Bildungshaus Liborianum berichtete die Projektkoordinatorin Barbara Esser im Besonderen von den Seminaren für junge Erwachsene aus Israel und Palästina.

Die Teilnehmerinnen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren treffen sich dabei in einem Gästehaus in Deutschland, um sich während des zweiwöchigen Dialogseminars gegenseitig die eigenen Erfahrungen und Einschätzungen des Jahrzehnte andauernden Konfliktes zu schildern. „Dieser Prozess ist sehr ambitioniert und fordert die jungen Menschen emotional und intellektuell sehr stark heraus“, machte Barbara Esser die Situation der Teilnehmer deutlich: Die palästinensischen jungen Erwachsenen sähen sich dabei einem Machtgefüge ausgesetzt, bei dem sie klar unterlegen seien. „Die Jugendlichen aus Israel fühlen sich bedroht durch weiter eskalierende Gewalt“, führte die Projektkoordinatorin weiter aus. Das wirke sich natürlich auch auf die Begegnungen bei den Seminaren aus. Diese werden durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Partnerorganisationen in Israel und Palästina sowie Mitarbeiterinnen des Komitees für Demokratie und Grundrechte e. V. moderiert. Daneben, so Barbara Esser, fänden aber auch informelle Begegnungen untereinander statt, die es ermöglichten, Verständnis für die Situation des anderen zu entwickeln. Aus Sicht des Veranstalters geht es in den Seminaren auch da­rum, „die vorhandenen Machtverhältnisse aufzudecken, sich selbst den Spiegel der eigenen Rollen und Erwartungen vorzuhalten“.

In den vergangenen 15 Jahren haben mehr als 2 000 junge Menschen an den Veranstaltungen des Projektes „Ferien vom Krieg“ teilgenommen. „Trotz der ernüchternden Realitäten im Nahen Osten wird hier der Samen gelegt für die Einsicht in die Lebenswelt des jeweils anderen“, schilderte Barbara Esser die Motivation. Innerhalb der israelisch-palästinensischen Gesellschaft würden auch Nachfolgeaktivitäten vor Ort organisiert. Zudem werde die Bereitschaft, die Sprache des anderen zu lernen, gefördert.

Der Paderborner „pax christi“-Diözesanverband, in diesem Fall konkret die Basisgruppe Paderborn, unterstützt derartige Aktionen und Projekte für einen Frieden stiftenden Dialog. Manfred Jäger von „pax christi“: „Hier zeigt dieses Projekt exemplarisch seit 1994, dass es in Kriegsgebieten – trotz Vorurteilen und Hass – neugierige junge Menschen gibt, die der jeweils herrschenden Propaganda nicht mehr trauen und die angeblichen Feinde von Angesicht zu Angesicht kennenlernen wollen.“

Das Bildungshaus Liborianum des Erzbistums trat als Kooperationspartner und Unterstützer der Veranstaltung auf. Dr. Werner Sosna, Referent für religiös theologische Bildung, hatte bereits in seiner Begrüßung der zahlreichen Gäste den prinzipiellen christlichen Friedensauftrag betont: „In seinem Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium bezeichnet Papst Franziskus den sozialen Dialog als Beitrag zum Frieden. Dieser Beitrag ist zugleich ein unverzichtbarer Bestandteil zur Entwicklung des Menschen.“

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