Idee eines Lebens

Die heilige Ursula

Die heilige Ursula mit Palmenzweig und Pfeilen, die auf ihr Martyrium hinweisen. (Foto: kna)

 

Am 21. Oktober feiert die Kirche eine Heilige, die es nach heutiger allgemeiner Auffassung gar nicht gegeben hat: die heilige Ursula. Dennoch hat diese Frau Spuren in Kirche und Welt hinterlassen, denen man nach wie vor folgen kann.

Der Legende nach wurde sie in England geboren. Sie war die Tochter eines christlichen Königs und – wie es sich für eine Prinzessin gehört– wegen ihrer Schönheit berühmt. Sie selbst hatte sich schon in sehr jungen Jahren zu ewiger Jungfräulichkeit entschlossen, nach den Plänen ihres Vaters jedoch sollte sie einen heidnischen, englischen Fürstensohn heiraten. Ursula erbat sich drei Jahre Frist, in der der Versprochene zum christlichen Glauben geführt und getauft werden sollte. Sie selbst wollte sich mit zehn Jungfrauen ebenfalls vorbereiten. Während dieser Zeit machte sich Ursula mit großem Gefolge auf den Weg nach Rom. Auf der Rückreise gelangten sie nach Köln, wo sie den Hunnen in die Hände fielen. Ursula und ihre Gefährtinnen, inzwischen berichtet die Legende von 11 000, wurden ermordet. Urusla hätte überleben können, wenn sie dem Wunsch des Hunnenkönigs gefolgt und seine Frau geworden wäre, aber sie weigerte sich.

In dieser wirklich sehr verkürzten Darstellung der Legende scheinen schon die Themen auf, die bis heute mit ihrem Namen verbunden werden: Tapferkeit, Gemeinschaft von Frauen, Katechese und das etwas heikle, weil missverständliche Thema Jungfräulichkeit. Es mag an dieser Stelle genügen, Jungfräulichkeit als vollherzige Offenheit für Gott zu definieren.

Im ausgehenden Mittelalter griff jedenfalls eine Frau diese Ideen auf: Angela Merici. Irgendwann um 1470 am Gardasee geboren, wuchs sie in einfachen Verhältnissen auf. Nach dem Tod ihrer Eltern und ihrer Schwester kam sie zu ihrem Onkel, der ein reicher Mann war. Angela allerdings blieb bei ihrem Lebensstil, sie wurde Mitglied im Dritten Orden der Franziskaner, der heutigen franziskanischen Gemeinschaft, gründete aber nach einer Vision 1535 selbst eine Gemeinschaft, die Gesellschaft der heiligen Ursula. Die Mitglieder hatte sie in den Jahren zuvor längst um sich gesammelt. Das Besondere: Dies war kein Orden, die Mitglieder keine Schwestern, sie lebten nicht miteinander im Kloster, was damals nicht jedem gefiel. Um mit einem heutigen Begriff zu sprechen: Angela Merici ist gewissermaßen die Erfinderin der Lebensform „Säkularinstitut“. Erst Jahre nach ihrem Tod 1540 wurde aus der Gemeinschaft ein Orden, die Ursulinen. Zum Ende des 16. Jahrhunderts wurden sie in die aufkommende Christenlehre eingebunden, die Bildung ist bis heute eine Aufgabe der Schwestern. Weil der Orden unter Nachwuchsmangel leidet, musste er aber viele Schulen in Deutschland – auch im Erzbistum Paderborn – an andere Träger abgeben.

Claudia Auffenberg

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