Hilfe bei Suchterkrankung im Alter

Caritas und Kooperationspartner bieten Infotag für alle Interessierten

Hamm. Die Caritas lädt, als Mitglied des Arbeitskreises „Alter und Sucht“, zu einer großen Infoveranstaltung unter dem Motto „Alt und tüchtig oder alt und süchtig“. „Das ist ein schwieriges Feld, denn es betrifft gleich ein doppeltes Tabu“, wie Rita Laukötter von der Caritas erklärt.

Rita Laukötter lädt zur Infoveranstaltung „Alt und tüchtig oder alt und süchtig“ am 16. November, zwischen 10.00 und 13.00 Uhr. Foto: Körtling

 

„Niemand ist gerne alt und schon gar nicht süchtig“, so Laukötter, die bei der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle der Hammer Caritas arbeitet. Doch in der immer älter werdenden Gesellschaft spiele auch der Suchtmittelgebrauch eine immer größere Rolle. Ob der Partner stirbt oder jemand nach dem Wechsel vom Berufsleben in den Ruhestand plötzlich keine Aufgabe mehr hat, ob sich jemand einsam oder nicht gebraucht fühlt, die Gründe seien vielfältig, die jemanden dann zur Flasche, zu Medikamenten oder anderen Suchtmitteln greifen ließen. Einhergehend mit anderen altersbedingten Einschränkungen sei auch die Dia­gnose nicht einfach. Das Schamgefühl von Betroffenen und deren Angehörigen mache einen klaren und lösungsorientierten Umgang mit dem Problem oft nicht einfacher.

Über dieses Themenfeld möchte die Veranstaltung am 16. November, zwischen 10.00 und 13.00 Uhr im Heinrich-von-Kleist-Forum, am Platz der Deutschen Einheit 1, aufklären. Oberarzt Frank Quibeldey vom St.-Marien-Hospital bietet Zahlen und Infos aus der klinischen Praxis, Betroffene und Angehörige schildern ihre Situation, und Ludger Meyer vom Katholischen Sozialdienst (KSD) informiert über Möglichkeiten und Grenzen rechtlicher Betreuung. Dazu kommen viele Infostände, bei denen Hilfe vermittelt wird. „Das ist eine ganz niedrigschwellige Veranstaltung, die aufklären und helfen soll“, sagt Laukötter.

Sie kennt die Probleme aus ihrer beruflichen Praxis und hat einen Betroffenen und eine Angehörige dazu gebracht, sich zu diesem Thema zu äußern: Hans B. und Maria M. sind 65 und 69 Jahre alt und haben eine lange Odyssee hinter sich: B. begann schon in der Schulzeit zu trinken. Erst am Wochenende, später erfand er Gründe, um auch während der Woche zu trinken.

Ein schlechtes Gewissen hatte er nicht, schließlich habe er genug Vorbilder bei den Erwachsenen gehabt, sagt B. Abgesehen vom „Kater“ habe der Alkoholkonsum auch positive Seiten gehabt: Kontakte zu knüpfen fiel ihm leichter, und solange Studium, Beruf und Gesundheit nicht beeinträchtigt wurden, schien alles im grünen Bereich. Ab Mitte 40 änderte sich das: Da traten die ersten körperlichen Beeinträchtigungen auf und mit ihnen der Kampf abstinent zu werden.

Auf Entgiftungen folgten jedoch Rückschläge. Seine längste „Trockenphase“ habe mehrere Jahre angehalten. Alles schien überstanden, doch nach einem ereignisreichen Tag kam der Leichtsinn ins Spiel: Nur ein Gläschen sollte es sein, aber nach einigen Wochen wurde wieder regelmäßig konsumiert. Er habe zwar nicht mehr in den Mengen wie früher getrunken, das sei aber der schlechteren Verfassung seines Körpers geschuldet gewesen.

Familiäre Schwierigkeiten bis hin zur Trennung von seiner Ehefrau waren die Folge. Diese Situation habe es erschwert, den Kampf gegen den Alkohol erneut aufzunehmen. Dann fand B. jedoch Unterstützung bei der Caritas in Form einer stationären und ambulanten Reha. Seit Anfang des Jahres sei er nun wieder abstinent. Früher habe er sich eine Langzeit-Reha schon aus beruflichen Gründen nicht vorstellen können. Erst jetzt, beim Eintritt in die Altersrente, sei ihm das möglich gewesen.

Ähnlich geht es auch Maria M.: Sie hat die Alkoholsucht ihres Mannes jahrzehntelang ertragen, lebt inzwischen aber ebenfalls allein. „Früher konnte ich einfacher damit umgehen. Dann sagte ich mir, wenn er jetzt trinkt, dann hört er auch wieder damit auf“, sagt M. Doch heute, da sie auch selbst ein gewisses Alter habe, fehle ihr schlicht die Kraft dazu. Ihr Mann habe ihr einmal gesagt, konsequent aufzuhören lohne sich für ihn nicht mehr.

Seitdem habe sie seine Entscheidung akzeptiert und ihre Konsequenzen gezogen. „Wir sehen uns auch immer noch regelmäßig, doch meine Bedingung ist, dass er dann nüchtern ist“, so M. Es ärgere sie, wenn manche Leute Vorbehalte gegen Süchtige äußerten: „Ob Akademiker oder Hilfsarbeiter, ob Mann oder Frau, jeder kann betroffen sein“, so M. Deshalb habe sie sich auch zu dem Gespräch, im Vorfeld der Infoveranstaltung, bereit erklärt. Dieses Thema müsse vielen bewusster werden.

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