„Habt keine Angst!“ (Non abbiate paura)

Gedanken zu Mk 13,24-32

"Habt keine Angst und wagt euch über die Schwelle." Foto: lichtsicht/photocase.com

 

In Zeiten der Bedrängnis will und kann der Glaube an Gott eine echte Lebenshilfe sein.

Diese Mut machende Aufforderung aus dem Munde des nun heiligen Papstes Johannes Paul II. ist mir immer präsent, wenn ich selbst mit schlimmen Nachrichten konfrontiert werde oder wenn diese Inhalt meiner Gespräche mit Erwachsenen, Jugendlichen oder Kindern sind. Es gibt Situationen – vorhergesehene oder auch unvorhergesehene –, die Angst machen können und plötzlich die Fragen aufkommen lassen, wo das alles noch hinführen soll und was am Ende wohl dabei herauskommt. Ängste begleiten das Leben eines jeden Menschen und nicht wenige Fachleute behaupten, dass der Mensch nicht nur Ängste hat, sondern dass er vielmehr oft selbst Angst ist.

Diese Ängste, resultierend aus dem oft mangelnden Vertrauen in die Güte und Liebe Gottes, hat Jesus im Blick, wenn er im Evangelium des heutigen Sonntags auf beunruhigende Zeichen am Himmel hinweist. Der Abschnitt ist der Abschluss der sogenannten Wiederkunftsrede. Ich kann mir gut vorstellen, dass die frühen Christen zur Zeit des Evangelisten Markus diese Worte auf sich und auf ihre zum Teil schlimme und unmenschliche Situation bezogen, da sie wegen ihres Glaubens verfolgt, verleumdet und gar getötet wurden. Sie lebten von diesen Worten, da ein nahes Ende sie von allen Bedrängnissen und Leiden erlösen konnte. Wichtig ist aber der Hinweis Jesu, dass die Entscheidung über das endgültige Ende ausschließlich dem Vater vorbehalten ist. Gefragt ist also das Vertrauen darauf, dass sie bei allem, was passieren wird, nicht aus der bergenden Hand Gottes herausfallen werden.

Zurück zu Papst Johannes Paul II., zurück in unsere Tage, zurück zu uns, denen das Evangelium des heutigen Tages auch Frohe Botschaft, Lebenshilfe sein soll. Apokalyptische Bilder, Filme und Reden haben einen festen Platz in manchen Medien und auch eine bestimmte Intention: Wir sollen verwirrt und somit zugleich verunsichert werden, um im Sinne mancher „Drahtzieher“ zu diversen Handlungen manipuliert zu werden. Die Ergebnisse können zum Teil verheerend sein, wenn wir den Nachrichten glauben können. „In eine solche Welt setze ich keine Kinder“, so hört man zum Beispiel nicht selten junge Frauen argumentieren. „Was sollen wir kleinen Leute noch ausrichten, die Welt geht doch sowieso zum Teufel“, sagen andere.

Solche Ansichten und Empfindungen können manche Menschen total blockieren, auch in ihrem Glauben. Jesus Christus und seine befreiende und froh machende Botschaft können hier helfen, nicht zu resignieren, sondern mit Blick auf ihn immer wieder neu anzufangen in dem Glauben und in dem Vertrauen, dass diese Welt eben nicht zum Teufel geht, sondern Gott das letzte Wort sprechen wird. „Von guten Mächten wunderbar geborgen …“, soll das nur ein schönes und zu Herzen gehendes Gebet sein?

In dem Buch „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“ versichert uns der Papst, dass aus Hoffenden „Wissende im Glauben“ werden, wenn wir uns auf Gott, unsere Zukunft schlechthin, ausrichten. Habt doch keine Angst! Es gibt jemanden, so Johannes Paul II, „der das Los dieser vergänglichen Welt in der Hand hält (…), jemand, der das Alpha und das Omega sowohl der individuellen als auch der kollektiven Menschheitsgeschichte ist. Und dieser Jemand ist die Liebe: die menschgewordene Liebe, die gekreuzigte und auferstandene Liebe; die Liebe, die ohne Unterlass unter den Menschen gegenwärtig ist.“

Richard Hörmann

Der Autor ist Schulseelsorger am Haranni Gymnasium in Herne und Pastor in der Pfarrei Corpus Christi in Castrop-Rauxel.

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