Gute und schlechte Tage

Geistlicher Glaubensimpuls

Margot Hellwig, die ewige Tochter von Maria, ist dieser Tage 75 Jahre alt geworden. Solche Jubiläen sind eine gern genutzte Gelegenheit, mal nachzuhören, wo so jemand eigentlich geblieben ist und wie er oder sie heute den Tag verbringt.

von Claudia Auffenberg

Margot Hellwig tritt seit einem Jahr nicht mehr auf, „aus familiären Gründen“, wie sie auf ihrer Internetseite schreibt. Genaueres erfuhr man jetzt: Sie pflegt ihren Mann.

Aha. Die Vorstellung, dass ein Mensch, der früher ständig im Fernsehen war, heute im Geld schwimmt und in Haus und Garten keinen Handschlag selbst tut, stimmt anscheinend nicht so ganz. In Fernsehbeiträgen erzählte Frau Hellwig, pausbäckig und adrett im Dirndl wie immer, dass zwar ein Pflegedienst täglich komme, sie aber alles andere selbst mache. So habe sie es doch bei ihrer Hochzeit vor 58 Jahren versprochen: in guten und in schlechten Tagen.

Kann man das glauben, dass jemand das so selbstverständlich und gelassen hinnimmt? Man hört doch immer, dass pflegende Angehörige überlastet sind und dass sie Hilfe brauchen, und es deswegen so viele Unterstützungsangebote im Lande gibt.

Und dann hat man eine DOM-Leserin am Telefon, die einen Menschen pflegt und ja, sie redet von Belastungen, aber: Der zu pflegende Mensch ist sozusagen „das geringere Übel“. Die größere Belastung ist ausgerechnet das Unterstützungssystem. Die Bürokratie mit vielen Regeln und noch mehr Papier; das Beantragen und Prüfen vermitteln das Gefühl, man begehre etwas, das einem nicht zusteht, als verlange man Ungehöriges. Auch der Tonfall der Profis, sagt sie, sei nicht immer von Warmherzigkeit oder Respekt geprägt – um es einmal vorsichtig wiederzugeben.

Margot Hellwig sagt: „Gerade in schweren Stunden ist es gut, wenn man an den Herrgott glaubt.“ Was meint sie wohl genau? Vielleicht, dass es tröstet, um eine Instanz zu wissen, die einem die Liebe schenkt und nicht – je nach Pflegestufe – minutenweise zumisst. Es gibt Menschen, denen man anmerkt, dass sie diese Instanz im Herzen dabeihaben. Es sind übrigens nicht immer die, bei denen man es von Amts wegen vermutet.

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