„Gut wirtschaften“

Katholische Arbeitnehmer Bewegung will nachhaltig leben und arbeiten

Der Referent Dr. Michael Schäfers rief zu Veränderungen auf. Links Meinolf Schnippering vom Bezirksvorstand. Foto: Steinhofer

 

Hagen. Die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) hatte Delegierte aus Hagen, Iserlohn, Menden und Witten zum Bezirkstag nach Hagen-Eilpe eingeladen. Hier nahm Dr. Michael Schäfers, Leiter des Grundsatzreferates in der KAB, Stellung zu den tiefgreifenden Veränderungen der Gegenwart.

„Angesichts der Flüchtlinge scheinen wir erst jetzt zu verstehen, was Globalisierung bedeutet“, eröffnete der Philosoph und Theologe sein Referat. „Wir können nicht so weiterwirtschaften wie bisher“, ist der KAB-Mann überzeugt und zeigt auf: „Die Probleme bringen nicht die Flüchtlinge mit – sie sind schon da.“ Mit Blick auf den Wohnungsmarkt machte er vor den rund 50 Delegierten deutlich: „Wir werden die Wohnungen nicht so schnell bauen können, wie wir sie benötigen.“ Und er verweist auf ein Beispiel: „Wir haben in Köln 80 000 Wohnungen weniger als 1950.“ Eine der Fehlentscheidungen der letzten Jahre. Die Gesellschaft habe sich verändert: „Wir reden nur noch über Wettbewerb – und wir gewöhnen uns mehr und mehr an, nur noch über Geld zu reden.“ Selbst der Wert einer Ehe wurde in einer Untersuchung berechnet: „70 000 englische Pfund Vermögenszuwachs für jeden der Partner.“ Das gelte zunächst nur für englische Paare, meinte der Referent schmunzelnd.

„Ein Unternehmen ist heute kein Verbund von Menschen mehr“, hat der langjährige Bildungsreferent festgestellt und fordert deshalb: „Die Katholische Arbeitnehmer Bewegung müsse immer wieder darauf bestehen, dass ,wirtschaften‘ ein Sozialprozess ist.“

„Alles wird zum Geschäft gemacht“, berichtete er. „Doch wie viele können nicht mehr mithalten?“, fragte der Sozialwissenschaftler in die Runde. „Wir haben gute Gründe über ,gut wirtschaften‘ zu reden“, erklärte der Referent. In Papst Franziskus findet die KAB Rückendeckung. „Er denkt konsequent aus der Sicht der Armen. Beim „guten Wirtschaften“ gehe es nicht um ein mehr und mehr. „Wir haben kein Knappheitsproblem, sondern ein Verteilungsproblem“, ist der KAB-­Hauptamtliche überzeugt. „Seit 20 Jahren geht es von unten nach oben.“ Und der Markt wird es nicht regeln, denn „der Markt in sich verteilt schon schief“.

Der Gedanke der Koopera­tion müsse also mehr Raum gewinnen. Er verwies auf Studien, die zeigen, „dass weniger Wettbewerb nicht zu Lasten der Verbraucher gehe“. Nach seinen eigenen Beobachtungen „findet derzeit eine Auseinandersetzung über Alternativen“ statt. Es gebe bereits Beispiele: Reparatur-Cafés, Handwerkskooperativen, die Aufträge nur aus einem Umkreis von 30 km annehmen und die anderen an befreundete Werkstätten weitergeben. Drei Wege in die Zukunft sieht der Philosoph der KAB: Mehrheiten über politische Parteien finden, gesellschaftliche Akteure aktivieren und die Kirche, die ihre politische Macht einsetzen muss. Dennoch ist er überzeugt: „Die Politik wird es nicht machen. Die Bewegung erfolgt von unten. Es ist ein langer Weg.“ Mit dem Bekenntnis: „Ich bin hoffnungsvoll“, beendete er sein Referat.

Es folgte eine anschließende Frage- und Diskussionsrunde, bei der sich auch die beiden Gäste, Jochen Marquardt vom DGB, und René Röspel, SPD, beteiligten.

Nach dem guten Mittagessen wählten die Anwesenden ihre Vertreter für den Bezirk (Kassenprüfer und eine weitere Beisitzerin) und die Delegierten für den Diözesantag am 2. April 2016 in Meschede.

Informationen über die aktuelle Situation im Bundesverband (Stichwort Neuorganisation) und ein Bericht über eine Reise zu befreundeten Gruppen der CWM (Catholic Workers Movement) in der Partnerdiözese Rulenga/Ngara in Tansania, ergänzten das Programm.

Meinolf Steinhofer

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