Große Ehre für einen bescheidenen Mann

„Russenseelsorger“ Pater Dr. Erwin Immekus erhält das Bundesverdienstkreuz

Pater Dr. Erwin Immekus erhielt von Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke (rechts) das Bundesverdienstkreuz. Helmut Orwat (links) hatte ihn vorgeschlagen. Foto: Privat

 

Castrop-Rauxel/Münster/Datteln (wma). Über 18 Monate hat es gedauert, doch die Hartnäckigkeit von Helmut Orwat aus Castrop-Rauxel hatte letztendlich Erfolg. Er hatte den Dattelner Pater Dr. Erwin Immekus für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Jetzt wurde die Auszeichnung dem als „Russen­seelsorger“ bekannten Geistlichen durch den Münsteraner Regierungspräsidenten Prof. Dr. Reinhard Klenke verliehen.

„Ich kenne den Pater seit über 40 Jahren“, erzählt Helmut Orwat. Auf dem Tisch hat er verschiedene Zeitungsartikel ausgebreitet. Man sieht einen Geistlichen, der zupacken kann, der etwas auf die Beine stellt. Orwat war der Mann hinter der Kamera. „Ich habe viele Geschichten mit ihm gemacht“, erinnert sich der ehemalige Pressefotograf.

In der Laudatio ging Regierungspräsident Klenke auf das Engagement in der Ukraine und Russland ein. Dabei war viel die Rede von den „Erfahrungen des Krieges“, die den heute 91-Jährigen geprägt haben. Als Jugend­licher wurde er als Soldat eingesetzt und geriet im Februar 1944 in der Ukraine in Kriegsgefangenschaft. Mit den Erfahrungen aus dieser Zeit trat Pater Immekus nach seiner Rückkehr dem Orden der Pallottiner bei.

Wegen seines herausragenden Engagements sowohl für Menschen in Russland als auch für Russischstämmige in Deutschland wurde er in den Bistümern Münster und Paderborn anerkennend als „Russenseelsorger“ bezeichnet. Bis heute ist er in der Gemeinde „Boris und Gleb“ in Datteln-Horneburg tätig.

Auch Helmut Orwat gehört zu den Menschen, die den Pater etwa durch Kleider- und Schrottsammlungen unterstützten. „Er war über 40 Mal mit Hilfstransporten in der Ukraine“, betont Orwat mit aufrichtiger Anerkennung in der Stimme. Gesammelt wurden Kleidung, Schuhe, Spielzeug, Brillen, Rollstühle, Rollatoren, Gehhilfen, medizinische Geräte, Krankenbetten, Zubehör für Operationssäle und Fahrräder.

Von 2005 bis 2013 half Pater Immekus ferner bedürftigen und kranken Menschen vor allem in dem ukrainischen Ort Lisichansk. 40 Stunden in der Woche wandte er neben seiner Tätigkeit als Seelsorger für diese Hilfstätigkeit auf. Insbesondere seit 1990 besuchte er jährlich Einrichtungen in der Ukraine, kontrollierte die Hilfslieferungen und überbrachte persönlich Hilfsgüter mit privaten Fahrten.

Seit seiner Entpflichtung ­engagiert sich Pater Immekus weiter in der Seelsorge und für die Hilfstransporte. Was Helmut Orwat aber am meisten an dem „Russenseelsor­ger“ fasziniert ist dessen Le­bensstil: „Er wohnt ganz ­bescheiden.“

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