Gottesdienst im Supermarkt

Diakon Arthur Springfeld lädt Menschen an ungewöhnlichem Ort zum Wortgottesdienst ein

In einem Nebenraum des Elli-Supermarktes in Verl-Sürenheide feierte Diakon Arthur Springfeld mit 34 Gläubigen einen Wortgottesdienst. Foto: Fortmeier

 

Verl. Keine Kirche, kein Altar, nur eine Kerze, ein Kreuz und Blumen auf einer Decke auf dem Boden: Einen Wortgottesdienst gab es kürzlich im Elli-Markt in Verl-Sürenheide zu erleben. „Ich bin begeistert“, zeigte sich Diakon Arthur Springfeld nachher mit der Besucherzahl sehr zufrieden. Da, wo eingekauft wird, Einkaufswagen rollen und Menschen sich begegnen, ertönte in einem offenen Seitenraum Gesang und Gebet.

von Manuela Fortmeier

Die Messlatte hatte der Diakon mit der Erwartung von zwölf Besuchern niedrig gehängt. „Das entspricht der üblichen Besucherzahl unserer Wortgottesdienste.“ Doch dann waren 34 der 36 aufgestellten Stühle im Eingangsbereich des Elli-Marktes besetzt.

„Hinaus aus der Kirche, sich auf den Weg zu den Menschen machen.“ Das war die Intention von Springfeld aus Sürenheide. Entsprungen aus der Idee, „dass die Mühen unseres Teams möglicherweise künftig mehr Menschen erreichen“, hatte der Diakon – ähnlich wie in anderen Orten – mit der schon bekannten Aktion „Gottesdienste an ungewöhnlichen Orten“ in Sürenheide zu einem Wortgottesdienst in den Sürenheider Supermarkt eingeladen.

Eigentlich bestehe das Vorbereitungsteam dieser Wortgottesdienst-Feiern aus fünf Verantwortlichen, „die sich regelmäßig mit viel Zeit und Leidenschaft in dieser Sache einbringen, um alle zwei Wochen diese besonderen Wortgottesdienste zu gestalten“, sagt Springfeld. Bislang habe die Erfahrung jedoch gezeigt, dass jeweils nur wenige Besucher dieses Angebot annehmen und keine neuen hinzukommen.

So stand im Vordergrund seines Gottesdienstes die Motivation der Menschen, selbst aktiv zu werden. „Viele Menschen haben nicht einmal das Nötigste, um jeden Tag unbelastet leben zu können. Schenke uns die Kraft, mit unseren Möglichkeiten, die wir haben, unsere Ressourcen zu teilen“, betete er. „Auch wenn die Kirchen immer leerer werden, sind wir nicht die letzten Zeugen eines sterblichen, christlichen Abendlandes, sondern Pioniere, die Gründer Gottes neuer Welt. So, wie er sie immer schon haben wollte“, ermutigte Springfeld weiter. Jeder habe die Möglichkeit, sich jeden Tag auf seine persönliche Weise einzubringen.

Die Besucher des Wortgottesdienstes zeigten sich zum Abschluss begeistert. „Das ist toll, so schön habe ich mir das nicht vorgestellt“ – „Eine gute Idee, das sollte es öfter geben“ – „Eine wunderbare, neue Erfahrung“, sind die dankbaren Kommentare.

Auch wenn die Menschen auf dem Weg in den Supermarkt nicht alle Platz nehmen und beten, teilweise auch „nichts mit Gott anfangen“ können oder sich von der Kirche abgewandt haben, nehmen sie Rücksicht. Sie respektieren den Wortgottesdienst nicht nur mit Achtsamkeit, sondern gehen bewusst leise, unterbrechen ihre Gespräche oder flüstern und schauen sich neugierig um, was passiert.

„Ich freue mich, dass es respektiert wird und bin dankbar für die Rücksichtnahme“, sagt Springfeld, der nicht müde wird, auch in Zukunft „weiterhin neue Menschen für unsere Gemeinschaft zu gewinnen, um sie für den Glauben begeistern zu können“, sagt er.

Bei seiner Anfrage an die Stadt Verl hatte sich diese in ihrer Funktion als Verler Immobilien- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH, die Eigentümer des Supermarktes ist, sofort offen für Diakon Springfelds Idee gezeigt und gerne zugestimmt. „Wir werden auch künftig dafür offen sein, wenn weitere Wortgottesdienste in städtischen Einrichtungen stattfinden sollen“, informierte Heribert Schönauer, erster Beigeordneter der Stadt Verl, der auch zu den Besuchern des Wortgottesdienstes zählte.

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