Gottes Geist und seine Gaben – eine Spurensuche

Weihbischof Matthias König zum Pfingstfest

Laura Knura, Abiturientin der Hildegardis-Schule in Hagen gestaltete den Gebetszettel der diesjährigen Renovabis-Aktion.

 

Jedes Mal könnte man meinen, ganz andere Menschen vor sich zu haben: Statt der schweigsamen, immer im Rudel auftretenden Jugendlichen, die sich zum Firmvorbereitungstreffen ins Pfarrheim drängten und kaum ein müdes „Hallo“ auf den Morgengruß zu erwidern wussten, sitzen da jetzt junge Persönlichkeiten an der Schwelle des Erwachsenenalters. Sie sind zwar im Hinblick auf die ungewohnte Situation des Firmgesprächs etwas nervös, aber zugleich sehr ernsthaft, selbstbewusst und durchaus gesprächig. Bewundernswert ist zumeist die Ehrlichkeit, mit der sie auf ihr Leben schauen, die Ehrlichkeit auch, mit der sie in der Beichte vor Gott ihr Versagen und ihre Schuld eingestehen.

Als Pfarrer hat mich diese Veränderung und Entwicklung immer sehr berührt und zudem auch freudig überrascht. Dazu kam, dass auf mein Nachfragen fast alle äußerten, Gott spiele für sie und ihr Leben eine Rolle.

Das war und ist schon vor dem Empfang der Firmung eine Frucht des Heiligen Geistes, ein kleines Pfingsten vor dem Empfang des Sakramentes der Bestärkung im Geist.

Auch heute erzählen mir Priester, die vor dem Empfang der Firmung mit den Kandidatinnen und Kandidaten Beichtgespräche führen, dass sie ähnliches erleben, und sie sind dankbar und froh für solche Pfingsterfahrungen.

Das hohe Pfingstfest lädt jedes Mal aufs Neue dazu ein, sich nicht an all den vielen Äußerungen von Ungeist festzumachen, sondern die Spuren der Wirksamkeit des Gottesgeistes in dieser Welt, in der Kirche und in unserem eigenen Leben zu suchen.

Natürlich kann die Frage gestellt werden, ob die vielen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Firmvorbereitung genau hier, wo sie mit jungen Menschen zu tun haben, die nicht gleich begeistert mitmachen, pfingstliche Erfahrungen machen. Viele berichten eher davon, wie mühsam es oft mit den jungen Menschen ist, die lange nichts mehr mit der Kirche zu tun hatten, denen es eher peinlich ist, mit dem Glauben und mit der Kirche vor anderen in Verbindung gebracht zu werden.

Doch oft wirkt der Gottesgeist. Und es ist eben dieser Geist Gottes, der erstaunliche Wandlungen ermöglicht. Eben so, wie ich es noch als Pfarrer aus eigener Erfahrung bestätigen kann und als Bischof im Umfeld der Feiern immer wieder selbst erlebe: Junge Menschen öffnen sich, wagen, über den Glauben nachzudenken und zu sprechen und geben manchmal vor den anderen sogar mutig Zeugnis, was ihnen Gott bedeutet und wo sie ihn bereits in ihrem Leben erfahren haben.

„Was bringt mir das?“

Natürlich stellt sich hier, wie in so vielen anderen Bereichen des Glaubens, die Frage nach der Wirksamkeit. Auch die jungen Leute fragen sich meistens: „Soll ich mich wirklich zur Firmvorbereitung anmelden? Was habe ich davon, wenn ich das mitmache? ‚Heiliger Geist‘, das ist so schwer zu fassen.“

Solche Fragen stellen ja nicht nur junge Menschen an vielen Stellen ihres Lebens: „Was bringt mir das? Was bringt mir die ‚Büffelei‘ in der Schule? Warum soll ich Hausaufgaben machen oder lernen? Was bringt es mir, etwas für andere zu tun, mich ehrenamtlich zu betätigen? Was bringt es mir? Was habe ich davon?“

Was bringt die Firmung?

Wie bei allen Dingen, die mit dem Glauben zu tun haben, muss eines grundsätzlich klar sein: Messbar sind die Gaben Gottes selten. Das macht das Glauben und den Glauben ja oft so schwer.

Bei der Firmung, diesem pfingstlichen, aber auch „schwierigen Sakrament“, bedarf es mancher Überlegung, wenn man festhalten will, was sie „bringt“.

Ganz nüchtern: Firmung gehört zu den drei Sakramenten, den drei sogenannten Initiationssakramenten, durch deren Empfang ein Mensch im vollen Sinne Christ wird. Die Firmung will die Gabe des Gottesgeistes, der durch die Taufe geschenkt wird, besiegeln. Sie will gültig setzen, was in diesem Sakrament in einem Menschen grundgelegt wurde. Sie erst vollendet die Christwerdung. Ohne sie fehlt der letzte Schritt ins Christentum. Ohne den Empfang des Firmsakramentes ist es so, als hätte es im eigenen Leben kein Pfingsten gegeben – und das wiede­rum wäre so, als hätten die Apostel beim ersten christlichen Pfingstfest den Heiligen Geist nie ins Herz gegossen bekommen.

Die Firmung ist das, was alle Sakramente sind: Sie ist ein Geschenk Gottes an den, der sie empfängt. Die Firmung ist etwas, das jemand sich nicht selber verdienen oder erarbeiten kann, etwas, das in einem Menschen große Wirkung entfaltet, wenn er sich dafür öffnet.

Gottes Geist, der durch die Firmung noch mal in ganz besonderer Weise verliehen wird, ist die große Gabe, die an dem anknüpft, was Gott schon längst grundgelegt hat. Der Heilige Geist will das Gute stärken und fördern. Er möchte Begabungen, Fähigkeiten, Stärken voranbringen – gegen alle Schwächen und Fehler, die ein Mensch mit sich he­rumträgt. Ganz besonders möchte dieser Gottesgeist die Beziehung zu Gott festigen und helfen, Gott einen Platz im eigenen Leben zu erhalten. Gerade das scheint in unserer heutigen Zeit wichtiger denn je zu sein. Das Zweite Vatikanische Konzil hat prägnant zusammengefasst, was die Firmung „bringt“. Das Konzil stellt fest: „Durch das Sakrament der Firmung werden sie (die Gefirmten) vollkommener der Kirche verbunden und mit einer besonderen Kraft des Heiligen Geistes ausgestattet. So sind sie in strengerer Weise verpflichtet, den Glauben als wahre Zeugen Jesu Christi in Wort und Tat zugleich zu verbreiten und zu verteidigen.“ (LG 11).

Den ganzen Text und weitere Berichte zum Hintergrund des Pfingstfestes finden Sie in der Print-Ausgabe des Dom Nr. 23 vom 9. Juni 2019.

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