Gesucht wird: Noah

Geistlicher Glaubensimpuls

Jetzt also auf einem Campingplatz. 31 missbrauchte Kinder, über Jahre hinweg, unter den Augen des Jugendamtes, keiner hat was gesehen oder bemerkt. Es ist zum Verzweifeln! Was ist das im Menschen, das ihn so etwas tun lässt?

Foto: Chase Clark / Unsplash

 

von Claudia Auffenberg

Und man könnte die Reihe dessen, was einen an der eigenen Spezies zweifeln lässt, fortsetzen. Man muss ja nur mal die Tagesschau angucken: Jemen, Venezuela, Putin, Hasstiraden im Internet. Und was in der Kirche los ist, ist bisweilen auch nur noch zum Heulen. Woher kommt das, die Gewalt, die Rücksichtslosigkeit, der Hass, der Egoismus, die Lust am Ausbeuten und Erniedrigen und das Desinteresse am Wohlergehen des anderen? Ist es denn nicht gerade die Fähigkeit zur Reflexion, zur Solidarität, die den Menschen vom Tier unterscheidet? Dass also unsereins nicht nur aufs Überleben aus ist, sondern dieses Leben eben auch schön gestalten kann? Gott schuf den Menschen nach seinem Abbild, heißt es. Aber irgendwas ist doch schief gegangen am sechsten Tag. Gott sah, dass es gut war, heißt es. Was hat er gesehen bzw. übersehen?

Wenn man ein bisschen weiterliest, dann wird in der Bibel erzählt, dass Gott sehr schnell die Nase voll hat. Die Bosheit unter den Menschen nimmt zu, sein Trachten ist immer nur böse. Da reut es Gott, den Menschen erschaffen zu haben und er will die Sache rückgängig machen. Aber er ist nicht konsequent. Er vernichtet nicht, er macht einen Neustart. Denn unter all den Menschen gibt es doch einen, der anders ist: Noah. Und den findet er. Noah war ein gerechter, untadeliger Mann, heißt es lapidar im Buch Genesis. Doch wenn die Bibel von Gerechtigkeit redet, dann meint sie mehr als gleich große Tortenstücke. Vereinfacht gesagt: Gerechtigkeit ist das Gegenteil von Egoismus und Clandenken. Im Buch der Sprichwörter zum Beispiel heißt es: „Wenn die Gerechten zahlreich werden, freut sich das Volk; herrscht der Frevler, dann stöhnt das Volk.“

Als es Gott reute, den Menschen erschaffen zu haben, gab es dennoch einen, der anders war. Vielleicht könnte man daraus den Schluss ziehen: Die Menschheit ist niemals ganz gut, aber sie ist auch niemals ganz schlecht. Lasst uns also Ausschau halten nach den Noahs. Es muss sie geben! Vielleicht ist einer oder eine der Mensch, der dies gerade liest.

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