Fußball gab Hoffnung

Der Sohn von BVB-Legende Alfred „Adi“ Preißler erinnerte beim BVB-Gottesdienst zur Saisoneröffnung an den Ursprung der „wahren Liebe“ in den Jahren nach 1945

Dortmund. Hochemotional war diesmal der BVB-Gottesdienst zur Saisoneröffnung. Allein schon der Nachname des Gastredners sorgt bei Borussiafans für Gänsehaut. Und Kai Preißler ist tatsächlich der Sohn des legendären Alfred „Adi“ Preißler. Er nutzte die Gelegenheit, auf eine schwierige Zeit für die Stadt Dortmund und den Verein zurückzublicken.

Kai Preißler, Sohn der BVB-Legende Adi Preißler, sprach beim BVB-Gottesdienst zur Saisoneröffnung. Auch Pfarrerin Carola Theiling (Bildmitte) betete mit den Fußballfans. Fotos: Maas

 

von Wolfgang Maas

Was ist der moderne Fußball eigentlich? Kai Preißler zeigte gleich zu Beginn, in welchem Spannungsverhältnis der Sport heute steckt. Einer „hochprofessionellen Wirtschaftsmaschinerie“ stehen zahllose Fans gegenüber, die mit Leidenschaft und Liebe ihre Mannschaft anfeuern – was mitunter religiöse Züge annehmen kann.

Doch wo kommt dieser tiefe Rückhalt quer durch alle Schichten der Stadt her? Kai Preißler erinnerte an eine schlimme Zeit, die die meisten der rund 300 BVB-Fans selbst nicht mehr erlebt haben. „Am 12. März 1945 liegt Dortmund in Schutt und Asche“, so Preißler. Ein 43 Minuten langer Luftangriff der Alliierten sorgte für einen wahren Bombenregen. Von der Dreifaltigkeitskirche am Borsigplatz, in der traditionell die BVB-Gottesdienste stattfinden, standen nur noch eine Bank und das Taufbecken.

Doch die schwarz-gelbe Borussia gab es noch – mit Adi Preißler in ihren Reihen. „Die Mannschaft spielte nicht Fußball, sie zelebrierte ihn“, so Kai Preißler. Und mehr noch: „Diese Männer hauchten der ganzen Stadt Leben ein. Die Mannschaft vermittelte das Gefühl, dass es eine lebenswerte Zukunft gibt.“ Dies sei auch die Zeit der Fans gewesen, für die die Spieler immer da gewesen seien. „Fußball hat damals ein kleines Wunder geschafft.“

Von den heutigen Spielern wünscht sich Kai Preißler, dass sie den BVB nicht nur als einen x-beliebigen Arbeitgeber oder als Sprungbrett nach Barcelona oder Manchester ansehen. Es müsse, um mit den Worten des großen Adi Preißler zu sprechen, „wieder eine Ehre sein, für den BVB zu spielen“. Kai Preißler sieht den derzeitigen Kader hier auf einem guten Weg und glaubt, dass auch sein sehr kritischer Vater Spaß an den Spielern gehabt hätte. Er schloss seine Ansprache mit dem Fazit, dass „der Fußball eine von vielen Möglichkeiten Gottes ist, uns Freude zu machen“.

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