Für immer L(i)eben

Gedanken zu Joh 21,1-14

"Habt ihr nichts zu essen?", fragt Jesus. Foto: 12frames / photocase

 

Die Sehnsucht nach einem erfüllten und ewigen Leben findet Nahrung im Glauben an Jesus, den Auferstandenen.

Wir sind mitten in der Osterzeit. Ostern ist der Beginn neuen Lebens, Zentrum aller Hoffnung und Ausblick in die Ewigkeit. Der Tod ist nicht das Ende. Der Auferstandene ist unsere Zukunft. Das feiern und bekennen wir im Glauben. Schauen wir noch einmal genauer hin auf den Weg Jesu Christi – auf seinen Weg mitten in der Welt und unterwegs mit den Menschen!

Jesus sammelt Jünger um sich, er predigt. Eine Wirkungsstätte war Kafarnaum am See Genezareth. Alles ganz konkret, den Menschen zugewandt. Jesus bringt die Menschen zusammen; er lehrt und betet. Mit ihm bricht das Reich Gottes an. In seinem Antlitz spiegelt er der Welt Gottes Liebe.

Seine Jünger haben die Botschaft weitergetragen. So bilden sich die ersten Gemeinden. Es sind Gemeinschaften derer, die das „Brot brachen“, wie es heißt. Christen versammelten sich zunächst in Privathäusern, vor allem am Sonntag. Und sie feierten das Osterfest. Dieser Jesus ist bis heute und auch für uns der Mittelpunkt unseres Glaubens. Er führt uns zum Gottesdienst zusammen. Er ist der Grund für unser Beten, für unsere Mitarbeit in der Gemeinde, im Verband, in einer kirchlichen Einrichtung. Er ist der Grund für unsere Hoffnung, für unseren Einsatz in der Einen Welt, für Solidarität und Nächstenliebe. Er ist der Garant für die Würde eines jeden Menschen.

Auf diesem Hintergrund lesen und hören wir die Wundergeschichte vom reichen Fisch­fang. Wir sind in der Osterzeit. Das Evangelium weckt Fragen in uns. Was bedeutet es, dem Auferstandenen so zu begegnen? Wie steht es um meinen Glauben? Finde ich als Suchender und Fragender Antworten bei Jesus? Lassen wir uns direkt mit dem Evangelium konfrontieren: „Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?“, fragt Jesus. Das bedeutet: Habt ihr nichts, was euch wirklich nährt? Wisst ihr nicht mehr, was euch wirklich voranbringt in eurem Leben, was euch hinführen könnte zu einem Leben, das diesen Namen wirklich verdient? Habt ihr keine Ideen mehr, wie euer Menschsein besser gelingen könnte und was euch menschlicher miteinander umgehen ließe?

Jesus fragt: „Habt ihr nicht etwas zu essen?“ – Und er sagt: „Kommt her und esst!“ Es scheint, dass wir Nahrung finden können für unsere Seele, wenn wir unser Leben immer wieder von seinem Wort beleuchten lassen, wenn wir miteinander sein Mahl feiern und so seine Gegenwart mitten in unserem Leben oft nur mehr erahnen können als glaubend wissen. Unser Christsein, das mit der Taufe begann, führt uns in die Gemeinschaft mit Jesus selber ein, der als Einziger Gott gesehen hat und deshalb von ihm erzählen konnte. Durch den Glauben will er uns an seinem Sehen Gottes, an seinem Hören und Reden mit dem Vater beteiligen. Der Weg des Getauftseins muss ein Prozess des Wachstums werden, in dem wir in das Leben mit Gott hi­neinwachsen und so auch einen anderen Blick auf den Menschen, die Schöpfung und alle Zusammenhänge in der Welt gewinnen.

Wir sind in der Osterzeit. Nicht der Tod wird das letzte Wort haben, sondern das Leben. Jesus Christus ist das Leben. Genau das beschreibt das Evangelium in der Begegnung mit dem Auferstandenen. Wir sind eingeladen von diesem Jesus Christus. Er bereichert unser Leben. Er ist Halt, Orientierung und Ziel. Er gibt Kraft, auch in Unsicherheiten. Und er gibt Zukunft, auch in Zweifeln. Wir dürfen vertrauend wissen: Er ist das Leben. Heute, mit uns und auch in der Ewigkeit.

von Josef Holtkotte,

Priester des Erzbistums Paderborn und seit 2013 Bundespräses des ­Kolpingwerkes Deutschland mit Sitz in Köln.

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