Frei wie ein Vogel?

Geistlicher Glaubensimpuls

An Mariä Geburt zogen die Schwalben „furt“. Daraus kann man wohl nicht ableiten, dass sich das Federvieh am Kirchenjahr orientiert, aber irgendwelche Gesetzmäßigkeiten scheint es zu geben.

von Claudia Auffenberg

Fünf Milliarden Vögel sind in diesen Tagen zwischen Europa und Afrika unterwegs. Faszinierend, dass es ganz ohne uns Menschen funktioniert. Nicht nur die Vögel, die Tierwelt, sogar die Natur insgesamt lebt bei uns und um uns herum, wir hören und sehen sie, doch zur Organisation ihres Daseins und zur Arterhaltung ist unsereins nicht nötig, eher hinderlich.

Ist das nicht beneidenswert, dass das alles irgendwie geordnet abläuft? Dass so ein Vogel sich ganz auf die wesentlichen Dinge des Lebens wie Nahrung und Nachwuchs konzentieren kann und selbst das sogar gewissermaßen von Natur aus, also ohne Arbeitsgruppe und Konzeptplanung mit langwierigen Abstimmungsprozessen? Möchte man nicht als Mensch auch so leben, frei wie ein Vogel eben?

Nein, das möchte man bitte nicht! Der Vogel ist ja gerade nicht frei. Das Wort „vogelfrei“ deutet darauf hin, dass die Freiheit unserer gefiederten Freunde keine erstrebenswerte Form der Freiheit ist. Es ist nicht die Freiheit, zu der nach dem Wort des Apostels Paulus die Christen berufen sind – und auf die übrigens, so Paulus, auch die Schöpfung noch hofft.

Was ist das für eine Freiheit, zu der wir berufen sind? Frei wovon, frei wozu? Wenn man Jesus richtig versteht, der ja gelegentlich auch von Vögeln spricht, zum Beispiel vom Spatz, der ohne Gottes Willen nicht zur Erde fällt und doch soviel weniger wert ist als wir, wenn man also ihn richtig verstanden hat, dann ist das eine Freiheit in bzw. aus Geborgenheit, eine Freiheit zur Verantwortung, eine Freiheit, man selbst sein zu dürfen, sich auszuprobieren, und es ist ein Freisein von Angst, von der Angst zu kurz zu kommen oder einen Fehler zu machen, von den Ängsten, wie sie Populisten schüren und Diktatoren nutzen, um Menschen klein zu machen. Und das wiederum ist exakt das Gegenteil der Frohen Botschaft, die ja in Anlehnung an ein wunderbares Wort Marias lautet: Der Mächtige hat Großes an jedem von uns getan.

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