Frau mit Ernst

Über die heilige Erna

Am 14. April könnten alle Ernas Namenstag feiern, also ausgerechnet am Karfreitag. Nun wird die Schar, die wegen des stillen Feiertages womöglich verzichten, nicht allzu groß sein. Denn eine lebende Erna ist heute eine echte Seltenheit. Dennoch ist einem der Name ziemlich vertraut.

Die berühmteste Erna der Diözese und eine Frau, die die Dinge ernst nimmt: Erna Schabiewski alias Ulrike Böhmer. Foto: Auffenberg

 

von Claudia Auffenberg

Da gibt es diesen alten Schlager „Erna kommt!“. Und – natürlich – aus dem Erzbistum Paderborn stammt ja die berühmte Erna Schabiewsky, die aber auch nicht wirklich ein lebender Mensch ist.

Der Name Erna war um 1900 sehr beliebt, aber mit dem Aufkommen der vielen Klein-Erna-Witze haben kaum noch Eltern allen Ernstes da­rüber nachgedacht, ihre Tochter so zu nennen. Obwohl das genau die Bedeutung dieses Namens ist: Erna ist die weibliche Form von Ernst, die Kurzform von Ernestine und steht für Entschlossenheit. Das wiederum ist eine der hervorstechenden Eigenschaften von Erna Schabiewsky, eben jener Bühnenfigur der Kabarettistin Ulrike Böhmer. Erna ist eine dieser Frauen, die einem irgendwie bekannt vorkommen: aufrecht, katholisch, unverwüstlich und „­inne Gemeinde“ unverzichtbar, fester Bestandteil des Sa­kristeikabinetts, also jener kleinen Gruppe, die in Kirche und Pfarrheim wirklich das Sagen hat.

Erna Schabiewsky ist allerdings nicht die Patronin des 14. Aprils und wenn man sich mit der beschäftigt, vergeht einem das Lachen. Zwar sind nur wenige Fakten über sie zu finden, aber die reichen schon, um sich eine gewisse Vorstellung vom Leben dieser tapferen Frau zu machen.

Geboren wurde jene Ernestine 1697 in Sulzbach, sie war die Tochter des Herzogs von Pfalz-Sulzbach. Verheiratet war sie mit Wilhelm dem Jüngeren von Hessen-Wanfried. Über ihn heißt es, er sei „arm an Verstand und in böser Umwelt verkümmert“ gewesen. Wilhelm war zunächst Domherr in Köln und Straßburg. Doch als die Linie seiner Familie auszusterben drohte, ließ er sich vom Papst in den Laien­stand zurückversetzen und heiratete die 22-jährige Ernestine. Er war zu diesem Zeitpunkt schon 48 Jahre alt. Die Ehe währte zwölf Jahre, blieb kinderlos, dann starb Wilhelm.

Seine Witwe, die nun unversorgt war, tat, was viele Frauen in ihrer sicher nicht ganz einfachen Situation taten: Sie ging ins Kloster und zwar ins Karmelitinnenkloster in Neuburg an der Donau. Ob sie in diesen kontemplativen Orden eintrat, weil sie die Nase voll vom barocken Schaulaufen jener Zeit hatte, kann nur Spekulation sein. Im Kloster jedenfalls übernahm sie bald das Amt der Priorin und starb 1775 im gesegneten Alter von 78 Jahren. Nach der Säkularisation wurde das Kloster aufgelöst und ihre Gebeine in die Neuburger Hofkirche übertragen, wo sie heute noch verehrt werden.

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