Festmahl mit Wohnungslosen

Caritasverband für das Erzbistum Paderborn feiert am 8. und 9. Dezember sein 100-jähriges Bestehen

Schon einmal, nach dem Zweiten Weltkrieg, forderte eine große Flüchtlingswelle die Kräfte der Caritas. Foto: DiCV Paderborn

 

Paderborn/Dortmund. Der Caritasverband für das Erzbistum Paderborn bereitet sich auf den Höhepunkt seines Jubiläumsjahres vor. Genau 100 Jahre nach seiner Gründung in Dortmund findet am Dienstag, 8. Dezember, in der Dortmunder Kirche St. Joseph eine Geburtstagsfeier mit Festmahl statt, zu der die Caritas Bedürftige und Wohnungslose eingeladen hat. Einen Tag später wird das Jubiläum am Mittwoch, 9. Dezember, an seinem heutigen Sitz in Paderborn begangen. Dazu lädt die Caritas zu einem Pontifikalamt im Paderborner Dom sowie zu einem anschließenden Festakt in der Paderhalle ein.

Am eigentlichen Gründungstag wolle die Caritas „mit Menschen feiern, für die wir damals wie heute da sind“, sagte Domkapitular Dr. Thomas Witt, Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes. „Dies sind in besonderer Weise Wohnungslose und Bedürftige.“ Das Festmahl findet ab 16.30 Uhr im Kirchenraum von St. Joseph statt. Eingeladen wurden Personen, die in der Dortmunder Nordstadt durch die ökumenische Initiative Gast-Haus und die Suppenküche Kana zum Teil schon seit vielen Jahren versorgt werden. „Diese Gruppe steht stellvertretend für alle, die wir als Caritas natürlich auch im Blick haben: Menschen mit Behinderung, Pflegebedürftige, Senioren oder Kranke, Kinder und Jugendliche – oder ganz aktuell – Flüchtlinge“, sagte Dr. Witt. Mit der Wahl einer Kirche als Veranstaltungsort wolle man auch „den engen Zusammenhang zwischen dem Ort der Eucharistie und dem Dienst an den Armen“ ausdrücken. „Wir feiern auch einen kurzen Wortgottesdienst und bieten spirituelle Impulse in der Krypta der Kirche.“

Mit dem Jubiläumstag des Diözesan-Caritasverbandes Paderborn beginnt gleichzeitig das von Papst Franziskus ausgerufene außerordentliche Heilige Jahr, das der für die Caritas zentralen Kategorie der Barmherzigkeit gewidmet ist. Im Mittelpunkt des am darauffolgenden Tag stattfindenden Festaktes in der Paderborner Paderhalle steht daher ein Festvortrag von Bischof em. Dr. Joachim Wanke aus Erfurt zur Barmherzigkeit als Triebfeder der Caritas. Bischof Wanke könne wie kein anderer diesen Leitbegriff der Caritas „entschlüsseln“, sagte Diözesan-­Caritasdirektor Josef Lüttig. Im Rahmen des Festaktes wird auch das Buch „100 Jahre – 100 Orte“ vorgestellt. „Dieses Buch ist mehr als eine übliche Jubiläums-Chronik“, betont Lüttig. „Es ist der Versuch, Geschichte aus einem ganz besonderen, subjektiven Blickwinkel zu fassen – eben als Geschichten.“ „Es sind Geschichten, die Geschichte lebendig werden lassen, Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden“, schreibt Erzbischof Hans-Josef Becker in einem Grußwort.

Der Verband war als Reaktion auf die Wirren und Nöte des Ersten Weltkrieges am 8. Dezember 1915 von dem Paderborner Diözesanbischof Karl Joseph Schulte gegründet worden – als erster diözesaner Caritasverband in West­deutsch­land. „Auflodern möge die Flamme der Liebe Christi“, hatte Bischof Schulte den Teilnehmern der Gründungsversammlung im Vereinshaus der Gemeinde St. Joseph in Dortmund zugerufen. Das greift eine weitere Aktion am 8. Dezember auf: Dann erstrahlt diese Flamme buchstäblich am Kirchturm von St. Joseph. Dank der Unterstützung durch die Stadt Dortmund wird der Gründungsort der verbandlichen Caritas im Erzbistum Paderborn von da an dauerhaft in der Dunkelheit erleuchtet.

„Diese vor 100 Jahren beschworene Nächstenliebe rührt an den Kern der christlichen Botschaft selbst“, sagt Erzbischof Hans-Josef Becker. „Der Satz Jesu ,Liebe deinen Nächsten wie dich selbst‘ ist ein auch heute noch revolutionärer Anspruch.“

Mit der Gründung des Diözesan-Caritasverbandes Paderborn als Dachverband wurde vor 100 Jahren eine Struktur eingeführt, die auch heute noch die Caritas in den meisten deutschen Bistümern prägt: Der an den Bischof angebundene diözesane Dachverband vereint ein buntes Geflecht an katholisch-karitativen Trägern wie die Orts- und Kreis-Caritasverbände, die Fachverbände und korporativen Mitglieder. Allein im Erzbistum Paderborn sind es heute (ohne Pfarrgemeinden) 217 Träger mit über 1500 Einrichtungen und mehr als 53 000 Mitarbeitern. „Der Caritasverband war damit von Anfang an von Vielfalt geprägt“, erklärt Diözesan-Caritasdirektor Lüttig: „Ein Konzern war er nie.“

Markus Jonas

Diesen Artikel teilen:

Ähnliche Artikel