Endlich leben

Geistlicher Glaubensimpuls

Am Aschermittwoch konnte man in den Zeitungen ausführlich über die Personalentscheidung des Bundestrainers lesen: Mats Hummels, Jérôme Boateng und – oh nein! – auch Thomas Müller gehören nicht mehr zur deutschen Fußballnationalmannschaft. Alles Irdische, so möchte man ein bisschen predigthaft reagieren, hat eben ein Ende, sogar die Karriere eines Fußballnationalspielers.

Foto: Karl-Michael Soemer / pixelio

 

von Claudia Auffenberg

Am Aschermittwoch konnte man in den Zeitungen ausführlich über die Personalentscheidung des Bundestrainers lesen: Mats Hummels, Jérôme Boateng und – oh nein! – auch Thomas Müller gehören nicht mehr zur deutschen Fußballnationalmannschaft. Alles Irdische, so möchte man ein bisschen predigthaft reagieren, hat eben ein Ende, sogar die Karriere eines Fußballnationalspielers. Auch ein Thomas Müller ist eben irgendwann mal zu alt, jedenfalls für bestimmte Dinge. Für andere Dinge ist er zu jung. Bundespräsident zum Beispiel kann er noch nicht werden.

Am Aschermittwoch hat man diese Botschaft in der Kirche gehört, liturgisch formuliert: Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst. In diesem Jahr, in dem wir alle besonders sensibel sind, spricht der Satz für manchen womöglich genau das aus, was die Kirche vermeintlich über die Menschen denkt: dass sie ihn nämlich für Staub hält, also für wertlosen, verachtenswerten Schmutz.

Aber sind wir denn am Aschermittwoch in die Kirche gegangen, um uns kleinmachen zu lassen? Nein, natürlich nicht. Der Satz ist ein Zitat Gottes. Adressat ist Adam, der Erdling, der erste Mensch, den Gott aus „Staub vom Erdboden“ formte und den Lebensgeist einhauchte. Dieser Erdling hat bekanntlich vom Baum der Erkenntnis gegessen, der Mensch kann also (im Prinzip) Gut und Böse voneinander unterscheiden, doch hätte er auch noch vom Baum des Lebens gegessen, dann wäre er gottgleich gewesen. Das wollte Gott verhindern, der Mensch muss das Paradies verlassen, zum Abschied erinnert ihn Gott noch einmal daran, dass er ein sterbliches Wesen ist.

Nach der Bibel greift unsereins gern zu einem etymologischen Wörterbuch, das die Herkunft einzelner Worte erklärt. Und siehe da: Zur Wortfamilie des Staubes gehört auch das Verb bestäuben und das hat nun eher mit Anfangen zu tun. So gesehen könnte man den Eingangsvers in die Fastenzeit zwar auch als Mahnung, aber eben auch als Ermutigung deuten, im Sinne von: Alles ist endlich, du Mensch, du Fußballmannschaft, du Kirchenstruktur. Alles muss endlich sein, damit Anfänge möglich sind. Das ist Leben.

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