Einladung zur Umkehr und Versöhnung 

Vor kirchlichen Hochfesten bekommt das Bußsakrament eine besondere Bedeutung

Priester beim Beichtgespräch: Die Gewissheit, von Gott geliebt und gewollt zu sein, steht heute eher im Mittelpunkt. Foto: KNA

 

Erzbistum. Der Blick in die Pfarrbriefe der Pfarreien und Gemeinden in den Dekanaten des Erzbistums Paderborn zeigt, dass es gerade vor Ostern vermehrt Gelegenheiten für den Empfang des Bußsa­kramentes gibt. Doch was bedeutet die Beichte für einen gläubigen Christen?

von Elisabeth Plamper

„Bei Gott ist Versöhnung“, sagt Bernhard Middelanis, Pfarrer in der Kirchengemeinde Liebfrauen Holzwickede. Das Bußsakrament verbinde die Menschen mit Gott. Schon als Kind habe ihm die Beichte das Gefühl gegeben, „dass alles wieder gut ist“. „Ich habe gelernt, ich muss nicht an meinen Fehlern verzweifeln – weiß ich doch, dass die Liebe und Barmherzigkeit Gottes stärker ist als meine Ängste, Zweifel und mein Versagen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie ich ohne Gottes Vergebung, die ich in der Beichte zugesprochen bekomme, mit ihm, mir selber und meiner Umgebung im Reinen sein sollte.“

Die Beichte sei eine Reflexion des Getanen im Glauben an Gottes Barmherzigkeit – auch für Kinder, so der Seelsorger. „Beichte ist auch eine Praxis, um Ehrlichkeit und Geduld einzuüben – Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und anderen – immer dank Gottes Entgegenkommen und Hilfe.“

Katrin Jendrejas geht zweimal im Jahr zur Beichte. „Einmal vor Ostern und einmal vor Weihnachten“, erklärt die Studentin. „Ich überlege mir schon vorher, was ich alles sagen möchte, denn direkt vor der Beichte bin ich schon etwas nervös.“ Statt Beichtgespräch im geschützten Raum bevorzugt sie das Gespräch mit dem Seelsorger im Beichtstuhl. „Ich bin mir dann sicher, dass ich auch nichts vergesse.“ Und sie fühle sich auch unbefangener.

„Es ist nicht leicht für mich, über das zu sprechen, was ich falsch gemacht habe. Deshalb ist es einfacher, dabei nicht unbedingt direkt angesehen zu werden.“ Unerlässlich bei der Beichte sei für sie die Reue. „Ohne Reue nimmt Gott meine Beichte nicht an“, ist die junge Frau überzeugt. „Die Beichte gibt mir das gute Gefühl, dass mir jemand zuhört und ich weiß, dass Gott mir vergeben hat. Es tut gut, auch gesagt zu bekommen, was ich zukünftig besser machen kann.“

Heinrich Stangorra, Pastor in der Fröndenberger Kirchengemeinde St. Marien, ist unter anderem für die polnischen Zuwanderer im Dekanat Unna zuständig. „Das kirchliche Gebot in Polen sieht vor, mindestens einmal im Jahr zur Beichte zu gehen“, erläutert der Seelsorger. „Die älteren von ihnen gehen öfter. Früher ging man immer erst zur Beichte, um dann mit reinem Gewissen in der heiligen Messe zur Kommunion zu gehen.“ Was sich in der Jugend verfestigt habe, das behalte man auch später bei, so der Seelsorger. Gebeichtet werde meist in polnischer Sprache vorzugsweise im Beichtstuhl. „Das Reden und der Ausdruck von Emotionen fällt den Menschen in der Muttersprache leichter. Ich merke, bei der Beichte passiert etwas. Man spürt die Gnade Gottes und wie die ganze Last, die der Beichtende mit sich herumträgt, von ihm abfällt und er sich befreit fühlt.“

Für Bernhard Rath spielte die Beichte einige Zeit in seinem Leben keine Rolle. „Nach dem Studium und zu Beginn meiner beruflichen Tätigkeit als Gemeindereferent hatte ich aufgehört zu beichten“, erzählt er. Dann habe er die Katechese und Liturgie der Versöhnung mit Beichtmöglichkeit nach dem Neukatechumenat kennengelernt. „Die Gottesdienstversammlung war in U-Form angeordnet und mehrere Priester verteilten sich im freien Raum der Versammlung. Das Besondere war, dass die Beichte nicht im Beichtstuhl, sondern in der Mitte der Versammlung stattfand. Während mehrere Lieder gesungen wurden, konnte derjenige, der beichten wollte, zu einem Priester gehen, beichten und dann kniend die Lossprechung bekommen. Damals habe ich nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder gebeichtet. Es war für mich die Erfahrung einer Auferstehung und eines Neuanfangs. Als die Beichte zu Ende war, wurde nach einem Dankgebet zum Friedensgruß eingeladen.“

Im Anschluss habe ein gemeinsames Essen (Agape) mit Speisen und Getränken, welche die Teilnehmer an der Gottesdienstversammlung mitgebracht hatten, stattgefunden. „Für mich war es damals wie das Fest im Gleichnis des barmherzigen Vaters, als der verlorene Sohn wieder zu Hause war. Seit dieser Zeit, das sind mittlerweile mehr als 35 Jahre, beichte ich in dieser Form regelmäßig alle vier bis sechs Wochen. Die Erfahrung von Auferstehung, Befreiung und Neuanfang ist immer wieder neu. Wichtig für meine Arbeit in der Gemeinde bei der Bußerziehung der Kommunionkinder wurde mir, dass die Kinder sich nicht anstrengen und etwas Besonderes leisten müssen, sondern vor allem, dass sie etwas bekommen – nämlich die Liebe und Barmherzigkeit Gottes.“

„Das Bußsakrament ist zwar ein großer Schatz des Glaubens. Allerdings haben sich die geistliche Betrachtung und die Praxis der Beichte im Laufe der Kirchengeschichte stark verändert“, sagt Dr. Stefan Klug, Referent am Institut für Religionspädagogik und Medienarbeit im Erzbistum Paderborn. „Man darf nicht vergessen, dass noch bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil die Beichte gewissermaßen auch von Gewissensdruck auf die Gläubigen begleitet wurde“ – nach Gottes Gerechtigkeit verdiene Sünde eine Buße. Heute stehe die Umkehr, Vergebung, Barmherzigkeit und die Gewissheit, „von Gott geliebt und gewollt“ zu sein, viel mehr im Mittelpunkt.

Vor diesem Hintergrund habe sich auch der Religionsunterricht an den Schulen weiterentwickelt. „Es findet keine Katechese im eigentlichen Sinne mehr statt.“ Diese falle in den Bereich der Kommunion- und Firmvorbereitung. Die Schüler würden stattdessen aus ethischer Sicht – meist in den Klassen 8 und 9 – sensibilisiert, ihre Entscheidungen zu reflektieren und deren Folgen zu überdenken und abzuwägen. „Es geht darum, im Sinne einer Lebenshilfe das Bewusstsein für Recht und Unrecht zu schärfen und die Hinwendung zum Mitmenschen zu stärken.“ Ansatzweise sei so im Unterricht auch eine Hinwendung zu Gott möglich. „Das Ziel ist zu vermitteln: Das Leben kann gelingen, wenn Sackgassen nicht als Ende, sondern als Neuanfang gesehen werden.“

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