Ein Kreuzweg, der in seine Zeit passt

Auf der Landesgartenschau setzt die Kolpingsfamilie ein religiös und ästhetisch gelungenes Zeichen

Bad Lippspringe. Die Kolpingsfamilie in Bad Lippspringe hat inmitten der Landesgartenschau einen Kreuzweg geschaffen. Bei der Eröffnung stießen Idee und Gestaltung auf Anerkennung.

Beziehung zur Natur: Hans Heinemann vor einer der 14 Stahlstelen. Foto: Flüter

 

von Karl-Martin Flüter

Als vor einigen Jahren die Marienloher Kirche renoviert wurde, fehlte der Kolpingsfamilie Bad Lippspringe das Ziel ihres alljährlichen Kreuzweges. Die Kolpingbrüder zogen in den Bad Lippspringer Kurwald um – zur Friedenskapelle. Die Stationen wurden durch Zeichnungen markiert, die an Bäume geheftet waren. Doch das war keine Lösung von Dauer. Außerdem entstand rund um den „Behelfskreuzweg“ die Landesgartenschau. Es musste etwas geschehen. An der Friedenskapelle sollte ein dauerhafter Kreuzweg entstehen.

Die entsprechende Bewilligung der Behörden dafür zu erlangen, ist eine – vielleicht die leichtere – Sache. Aber Kreuzwege scheinen nicht mehr zeitgemäß zu sein, nur noch selten werden neue geweiht. Wie sollte ein Kreuzweg aussehen, der sich in den Bad Lippspringer Wald einpasst und einen wirkungsvollen Akzent in der aktuellen Landesgartenschau setzt?

Darauf hatte Hans Heinemann eine Antwort. Der engagierte Kolpingbruder ist ein begabter Künstler. Seitdem der ehemalige Friseurmeister im Ruhestand lebt, hat er viel Zeit für diese Leidenschaft. Er entwarf einen Kreuzweg, der mit vielen Gewohnheiten bricht. Das Material der Kreuz­wegstelen ist aus Stahl. „Holz gammelt zu schnell“, sagt der Künstler.

Er hat sich etwas Besonderes einfallen lassen, um den Bezug zur Natur im Wald herzustellen. Eine Laserfirma hat Heinemanns Entwürfe aus dem Stahl herausgeschnitten. Was der Betrachter sieht, sind die Umrisse der Szenen. Der Hintergrund füllt den freigestellten Raum der Szene: Waldboden, Baumstämme, Dickicht. Stahl und Wald ergeben so zusammen das Bild.

Wer diesen Kreuzweg geht, kann den Alltag leicht vergessen. Der Wind rauscht in den Fichten, die Vögel pfeifen und die Stationen stehen wie Wegmarken bescheiden an dem 660 Meter langen Rundweg: ein Sinnesereignis und – trotz oder gerade wegen des sakralen Charakters – eine ­Attraktion der Landesgartenschau.

Weihbischof Dominicus Meier betonte bei der Segnung das „Aus-der-Zeit-Gefallene“. „Ein Kreuzweg zeigt, wo Gott zu finden ist und an wessen Seite er steht“, betonte er. Deshalb sei die Ausgangsfrage nach dem Sinn klar zu beantworten: „Ein Kreuzweg ist zeitgemäß und notwendiger denn je. Gott ist an der Seite der Menschen. Diskriminierung, Bedrohung und Tod sind nicht das letzte Wort, sondern Jesus.“

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