Ein König am Kreuz

Gedanken zu Lk 23,35b-43

Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat! Christus am Kreuz, zu sehen in Verl. Foto: Ansgar Hoffmann

 

Ein König am Kreuz

Der Christus am Kreuz provoziert zum Widerspruch oder zur Nachahmung.

von Alois Schröder

Lang ist’s her, seit wir als junge Christen am Fest Christkönig unseren Bekenntnissonntag feierten. Mit dem Christusbanner zogen wir in die Kirche ein und sangen mit Freude und Begeisterung die Christus-Rufe: Christus vincit – Christus regnat – Christus imperat (Christus Sieger – Christus König – Christus Herr in Ewigkeit). Durchaus mit Stolz bekannten wir uns zu Christus als dem einzig richtigen Weg für uns; beflügelt von der Jesusbewegung „One way“ aus Amerika.

Hier und heute fehlt’s bei Jung und Alt weithin an Begeisterung für Christus, der sich uns bei der Taufe „einverleibt“ hat und dessen Namen wir seitdem tragen. Eine beklagenswerte Jesusvergessenheit in Glaube, Leben und Handeln vieler Christen ist dafür die Ursache oder Folge. Wen wundert’s, wenn das Kreuz als christliches Symbol Gefahr läuft, aus der Öffentlichkeit zu verschwinden? Und wie nur soll es gelingen, einen Zugang zu Jesus als dem König am Kreuz zu finden? Wohl nur, indem wir uns auf das Geheimnis seiner Person und seiner Sendung einlassen. Und da kommen wir an seinem Kreuz nicht vorbei. Provokant und befremdlich mag es anmuten, wenn wir zum Fest Christkönig einen Text aus der Leidensgeschichte lesen bzw. hören.

Wir sehen Christus am Kreuz. Hohn und Spott schlagen ihm entgegen. Sie, die führenden Männer des Volkes wie auch die Soldaten ergötzen sich daran, Jesus zu demütigen, indem sie ihn verlachen und verspotten. Und selbst einer der Verbrecher verhöhnt ihn. Ein böses Spiel ist das, wenn man einen Menschen verlacht, lächerlich macht und öffentlich beschämt, weil er ohnmächtig ist und sich nicht wehren will oder kann. Ob jene Lästermäuler wohl nachdenklich geworden sind, als Jesus sein Schweigen bricht und dem reumütigen Verbrecher zusagt: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“?

Als Kirche und als einzelne Christen tun wir gut daran, das Anstößige und Provokante, das von Jesus, dem König am Kreuz, ausgeht, nicht nur auszuhalten oder theologisch zu interpretieren, sondern zum Maßstab für das eigene Leben und Handeln zu machen. Und das auf die Gefahr hin, dass man auch uns belächelt oder verlacht, für meschugge oder verrückt erklärt, wenn nicht gar einen weiten Bogen um uns macht. Wer sich den „König am Kreuz“ zum Vorbild nimmt, muss damit rechnen, auf einem einsamen oder gar verlorenen Posten zu stehen. So sagt’s der Apostel Paulus: „[] Gott hat uns Apostel auf den letzten Platz gestellt, wie Todgeweihte; denn wir sind zum Schauspiel geworden für die Welt, für Engel und Menschen“ (1 Kor 4,9).

Es kann aber auch sein, dass man uns bewundert und neugierig danach fragt, wer oder was da bei uns als treibende Kraft am Werk ist. Etwa: wenn Eltern ihr Kind zur Welt kommen lassen, obwohl sie wissen, dass es behindert ist; wenn Menschen in einer krisengeschüttelten Beziehung um Treue und Vertrauen ringen und gemeinsam einen Neuanfang suchen; wenn junge Leute ihrer persönlichen Berufung folgen und sich gegen alles Unverständnis in ihrem unmittelbaren Umfeld für ein Leben als Priester oder Ordenschrist entscheiden; wenn Menschen ihre kostbare Zeit in den Dienst einer guten Sache stellen und Verantwortung übernehmen in der kirchlichen oder kommunalen Gemeinde; für Menschen am Rande, für den Schutz des Lebens und der Umwelt, für eine gerechtere und menschlichere Welt etc.

Mögen wir in diesen und anderen Situationen erfahren, was Sr. Kyrilla Spiecker mit den Worten zum Ausdruck bringt: „Wer einem Gekreuzigtem nachfolgt, kann nicht auf Erfolg warten, aber auf Ostern!“

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