Ein harmonisches Gesamtbild

Sakrale Kunstausstellung im Museum in der Kellnerei des Klosters Clarholz steht auf drei Säulen

Herzebrock-Clarholz (wl). „Laudato Si – Lob der Schöpfung“ lautet der Titel der sakralen Kunstausstellung im Museum in der Kellnerei des Klosters Clarholz im Props­teihof. Noch bis zum 9. Okto­ber ist sie immer sonntags von 15.00 bis 18.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung zu besichtigen.

Matthias ­Bücker De Silva zusammen mit Gottfried Pavenstädt-­Westhoff vom Freundeskreis Propstei Clarholz. Im Hintergrund die Muttergottes mit dem Jesuskind, umgeben von zwölf Sternen. Foto: Leskovsek

 

Rund 100 Werke des vor acht Jahren verstorbenen Künstlers Heinrich Gerhard Bücker, seines Sohnes, dem Goldschmied Matthias Bücker De Silva, und dessen Tochter Lara Maria De Silva, ebenfalls Goldschmiedin, sind in der Ausstellung zu sehen. Somit ist die Ausstellung auf drei Säulen aufgebaut, die zwar alle sehr unterschiedlich sind, sich aber zu einem harmonischen Gesamtbild zusammenfügen, weil sie alle drei in ihren Arbeiten die Schöpfungsgeschichte auf verschiedene Art und Weise verarbeitet haben.

Besonders der verstorbene Heinrich Gerhard Bücker machte die Bibel zum zentralen Thema seines Schaffens in seiner westfälischen Heimat Vellern. Geschichten aus der Heiligen Schrift und der Bilderreichtum der Apokalypse, das Vermächtnis der Kirchenväter und die Übersetzung Martin Bubers verbanden sich im Laufe der Zeit zur religiös fundierten Welt- und Lebensanschauung. Er arbeitete mit vielfältigen Materialien, wagte sich an Glas heran, an Figürliches, an die Malerei und auch an die Schrift, obgleich er ursprünglich einmal Holzbildhauer gelernt hatte. Bekannt ist die „Bücker-Bibel“. Ein Exemplar ist ebenfalls Bestandteil der Ausstellung im Kloster Clarholz. „Der Aufbau der Ausstellung zeigt die Heilsgeschichte vom Engelsfall vor der materiellen Schöpfung über Adam und Eva, wo der Gehorsam des Menschen geprobt wurde, bis hin zur Schöpfung“, erklärt der Vorsitzende des Freundeskreises Props­tei Clarholz, Gottfried Pavenstädt-Westhoff.

Der Verein, der vor zehn Jahren gegründet wurde, hat es sich zum Ziel gemacht, die historischen Propsteigebäude in Clarholz mit ihren Plätzen, Gärten, Gräften und Alleen zu erhalten. „Es soll ein Ort der Erinnerung, der Begegnung und der Kultur sein“, so der Vorsitzende. Zum Jahresprogramm gehört immer eine Ausstellung in den Räumen der ehemaligen Kellnerei. Da Heinrich Gerhard Bücker schon vielfach Arbeiten für die Clarholzer St.-Laurentius-Kirche geschaffen hat, war es für alle eine große Freude, dass die vielfältige sakrale Kunst Bückers nun für viereinhalb Monate im Kloster zu sehen ist. Ein besonders schönes Stück, eigentlich das Schönste der gesamten Ausstellung laut Pavenstädt, ist ein rundes wandhängendes Objekt, dass die Muttergottes mit dem Jesuskind zeigt, eingerahmt von zwölf goldenen Sternen. Das Motiv war zudem die Grundlage für die Fahne der Europäischen Union.

Paul Lévi, ein Belgier jüdischer Abstammung, sah damals angsterfüllt in Leuven zahlreiche Eisenbahnzüge fahren, in denen die Juden von der deutschen Gestapo nach Osten transportiert wurden. Damals legte er das Gelübde ab, bei seinem Überleben zum katholischen Glauben zu konvertieren. Er überlebte und wurde katholisch. In der Folge wurde Paul Lévi Leiter der Kulturabteilung des Europarates. 1955 diskutierten die Vertreter über eine gemeinsame Flagge. Eines Tages kam Lévi bei einem Spaziergang an einer Statue der Muttergottes mit dem Sternenkranz vorbei. Durch die Sonne beschienen, leuchteten die goldenen Sterne vor dem strahlend blauen Himmel. Lévi suchte daraufhin Graf Benvenuti auf, Generalsekretär des Europarates, und schlug ihm als Motiv für die Europafahne zwölf goldene Sterne auf blauem Grund vor. Benvenuti war begeistert, und wenig später wurde der Vorschlag allgemein akzeptiert. Und so ziert bis heute in allen Staaten der Europäischen Union der goldene Sternenkranz Marias die Europafahne.

Weitere Infos: www.propstei-clarholz.de

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