Ein freier Mann

Märtyrer und Visionär: Alfred Delp

Alfred Delp SJ auf einem undatierten Foto aus anscheinend noch unbeschwerten Zeiten. Foto: dpa

 

Am 2. Februar feiert die Kirche das Fest Darstellung des Herrn. Das Evangelium dieses Tages enthält den wunderschönen Lobgesang des Simeon: „Meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast.“ Am 2. Februar 1945 starb – nach allem, was man weiß: in dieser Gewissheit – im Alter von 37 Jahren der Jesuitenpater Alfred Delp. Auf dem Weg zum Strang soll er dem Gefängniswärter gesagt haben: „In wenigen Augenblicken weiß ich mehr als Sie.“

Alfred Delp ist weder heilig- noch seliggesprochen, aber man darf doch an ihn erinnern, vielleicht gerade in Zeiten, in denen das christliche Abendland Thema hitziger Debatten ist.

Er war nicht bloß ein Märtyrer, sondern er war auch ein Visionär, der der Kirche bis heute viel zu sagen hat. Zum Beispiel dies: „Geht hinaus, hat der Meister gesagt, und nicht: Setzt euch hin und wartet, ob einer kommt.“

Delp wurde 1907 geboren, seine Mutter war katholisch, sein Vater evangelisch, beide zu diesem Zeitpunkt noch nicht verheiratet. Die verschiedenen Konfessionen brachten manche Unruhe in das Leben des jungen Alfred, weswegen seine Haltung zur Ökumene eindeutig war: „Wenn die Kirchen der Menschheit noch einmal das Bild einer zankenden Christenheit zumuten, sind sie abgeschrieben.“ Schon bald nach dem Abitur trat Delp in den Jesuitenorden ein, das letzte Gelübde legte er im Dezember 1944 in Haft ab, nachdem die Nazis ihm die Freiheit unter der Bedingung angeboten hatten, er trete aus dem Orden aus. Priester war er seit 1937. Sein Lebensthema war eine christliche Gesellschaftsordnung. Ausgehend von den Sozialenzykliken der Päpste dachte er darüber nach, wie die soziale Frage jenseits von Kapitalismus und Marxismus gelöst werden könnte. Durch dieses Nachdenken kam er in Kontakt mit dem Kreisauer Kreis und intensivierte es dort: Wie kann Deutschland nach Hitler aussehen? Die Kirche sah er dabei in besonderer Verantwortung und was er ihr ins Stammbuch schrieb, klingt uns Heutigen nach Papst Franziskus: „Es wird kein Mensch an die Botschaft vom Heil und vom Heiland glauben, solange wir uns nicht blutig geschunden haben im Dienste des physisch, psychisch, sozial, wirtschaftlich, sittlich oder sonstwie kranken Menschen.“

Die Kontakte zum Kreisauer Kreis werden ihm nach dem 20. Juli 1944 zum Verhängnis. Delp wird verhaftet, im Januar 1945 wird ihm der Prozess gemacht, Roland Freisler verurteilt ihn zum Tod. In den Wochen im Gefängnis, in der Enge einer Zelle und mit dem sicheren Tod vor Augen, schreibt Delp, teils mit gefesselten Händen, seine dichtesten Texte. Wenn man die Umstände bedenkt, unter denen sie entstanden sind, stockt einem der Atem. Im November 1944 etwa schreibt er in einem Brief: „Innerlich habe ich viel mit dem Herrgott zu tun, zu fragen und dranzugeben. Das eine ist mir so klar und spürbar wie selten: die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen. (…) In allem will Gott Begegnung feiern und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort. Die Kunst und der Auftrag ist nur dieser, aus diesen Einsichten und Gnaden dauerndes Bewusstsein und dauernde Haltung zu machen bwz. werden zu lassen. Dann wird das Leben frei in der Freiheit, die wir oft gesucht haben.“

Claudia Auffenberg

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