Ein Armutszeugnis

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Die Tafeln in Deutschland haben wieder einmal Bilanz gezogen. Eine erfreuliche Nachricht ist, dass sich mittlerweile auch viele Flüchtlinge ehrenamtlich bei der Ausgabe von Essen an Bedürftige engagieren.

Weniger positiv ist die Entwicklung der Tafeln insgesamt. So ist die Zahl der Menschen, die diese Unterstützung in Anspruch nehmen, stärker gestiegen als die Spenden. Dies bedeutet, dass jeder Einzelne im Durchschnitt weniger bekommt.

Weil auch viele Flüchtlinge zu den Tafeln kommen, könnten andere Bedürftige den Eindruck gewinnen, als seien sie Konkurrenten um die knapper werdenden Lebensmittel. Dies darf auf keinen Fall geschehen, denn dadurch entsteht ein Gefühl der Ablehnung gegenüber den Flüchtlingen.

Die Tafeln wurden einst geschaffen, um den Menschen zu helfen, die ganz am Rande der Gesellschaft leben und nicht das Nötigste zum Überleben haben. Die Zahl der Menschen, die sich jeden Cent im wahrsten Sinne des Wortes „vom Mund absparen“ müssen, ist in Deutschland allerdings gewachsen. Hinzukommt sicher auch, dass für viele – vor allem ältere – Mitbürger die Hemmschwelle gesunken ist, eine Tafel aufzusuchen. So manche Rentnerin und so mancher Rentner können eben von ihren mageren Altersbezügen die hohen Lebenshaltungskosten nicht mehr bestreiten.

Die Tafeln sind heute nicht nur in Großstädten, sondern auch in vielen kleineren Kommunen zu einem festen Bestandteil der Versorgung geworden. Dass sie in diesem Umfang überhaupt nötig sind, ist ein Armutszeugnis für den Sozialstaat.

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