Die Wohltäterin

Zum Fest der hl. Irmgard

In ferner Zukunft, sagen wir im Jahr 3019, so sich die Menschheit noch nicht ausgerottet hat, an wen von den heutigen Promis wird man sich noch erinnern und vor allem: Warum?

Irmgard inmitten der Armen, niederländisches Gemälde von 1899. Foto: Wikicommens

 

von Claudia Auffenberg

Diese Frage kommt einem, wenn man sich über die heilige Irmgard informiert, die am 19. Februar im Heiligenkalender auftaucht. Wie sie dahin kommt, ist schon rätselhaft, denn andere Quellen weisen ihr den 4. September als Gedenktag zu. Weiterhin verheddert man sich im Gestrüpp der Ortsangaben. Mal heißt sie Irmgard von Köln, dann wieder von Süchteln oder von Aspeln. Und ob das immer dieselbe Frau ist, sei auch noch dahin gestellt.

Nennen wir sie hier Irmgard von Süchteln, denn dort, heute ein Stadtteil von Viersen, hält man die Erinnerung an sie hoch. Und letztlich kommt es bei Heiligen nicht nur da­rauf an, wer sie waren, sondern auch, wofür sie verehrt werden. Irmgard war nun, so heißt es in der Legende, die wohlhabende Tochter eines Grafen, die nach dem Tod ihrer Eltern mit ihrem Vermögen viel Gutes getan hat. Sie hat Arme gespeist, Klöster und Krankenhäuser finanziert. Geboren wurde sie um das Jahr 1000, gestorben ist sie zwischen 1082 und 1089, na ja, vielleicht auch am 19. Februar 1065. Beigesetzt ist sie heute in einer Kapelle im Chor des Kölner Domes. Zeit ihres Lebens soll sie eine fromme Frau gewesen sein, ein Kriterium dafür waren damals auch Pilgerreisen nach Rom. Drei Mal soll sie dort gewesen sein. Beim ersten Mal erbat der Papst von ihr eine Reliquie der 11 000 Jungfrauen aus Köln. Als Irmgard bei ihrer zweiten Romreise Erde vom Grab der Jungfrauen im Gepäck hatte, haben die Glocken der Stadt von allein geläutet, der Papst gab ihr als Dank das Haupt seines Vorgängers Silvester mit nach Köln.

In Süchteln wird Irmgard heute nach wie vor als Stadtpatronin verehrt, der Stadtteil trägt sogar den Beinamen Irmgardisstadt. Hier soll die Heilige in einer Einsiedelei gelebt haben. Im Herbst begeht man dort die Irmgardisoktav samt Stadtfest und Prozession. Zu den überlieferten Legenden gehört die dramatische Geschichte eines armen, achtfachen Familienvaters, der beim Holzhacken tödlich verunglückt. Als er abends nicht nach Hause kommt, machen sich die Kinder auf den Weg, um den Vater zu suchen. Sie finden ihn, tot in einer Blutlache liegend. Vom verzweifelten Geschrei der Kinder aufmerksam geworden, eilt Irmgard herbei. Erschüttert betet sie zu Gott, er möge den Kindern den Vater wiedergeben – und tatsächlich: Dieses Wunder geschieht. Das Leben kehrt in den Mann zurück.

An wen von den heutigen Promis wird man sich in ferner Zukunft noch erinnern? Wohl an solche Frauen und Männer wie Irmgard, also an Menschen, die mit ihrem Vermögen – geistiger und materieller Natur – dem Leben gedient haben. Und wenn es solche Menschen gibt, kann man zuversichtlich sein, dass wir uns bis dahin nicht ausgerottet haben werden.

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