„Der Text öffnet Türen“

Kardinal Marx zieht Bilanz nach der Familiensynode

Die Ampeln wurden im Vatikan auf Grün geschaltet. die Synode öffnete Türen für neue Wege. (Foto: Hunstig)

 

Rom (KNA). Drei Wochen lang haben die Bischöfe bei der Familiensynode in Rom diskutiert und zum Teil heftig gerungen – um einzelne Worte, Formulierungen und um den künftigen Umgang der katholischen Kirche mit dem Thema Ehe und Familie. Kardinal Reinhard Marx zieht im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) eine erste Bilanz.

KNA: Kardinal Marx, sind Sie zufrieden mit dem Ausgang der Bischofssynode?

Kardinal Marx: Ich bin zufrieden. Wenn ich die letzten drei Wochen anschaue und das, was der Papst von Anfang an in die Synode eingegeben hat, dann würde ich sagen, ist die jetzige Synode mit ihrem Abschlussdokument eine Ermutigung für den Papst weiterzugehen und seine Entscheidungen zu fällen. Der Text öffnet Türen für den Umgang mit Familien in schwierigen Verhältnissen. Ich bin sehr froh, dass alle Abschnitte die nötige Zweidrittelmehrheit gefunden haben. Es ist sehr wichtig für die Kirche, dass wir einen gemeinsamen Text haben, auf den wir uns berufen können, auch wenn das Abschlussdokument natürlich nur Empfehlungen für den Papst enthält.

Sie haben sich während der Synode im Sinne einer Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion in begründeten Einzelfällen eingesetzt. Das Thema wird im Abschlussdokument nicht direkt angesprochen. Enttäuscht sie das?

Nein, denn das Abschlussdokument nimmt die Argumentation des Textes unserer deutschsprachigen Gruppe auf. Es geht um eine größere Integration. Das Wichtige ist, dass der Dreischritt Sehen-Urteilen-Handeln im Abschlussdokument noch einmal an Tiefe gewonnen hat. Da wird nichts beschönigt, nichts rausgelassen. Wenn man den Text als Ganzes liest, hat er eine große Weite des Herzens, die deutlich macht, dass die Kirche nichts, was mit Ehe und Familie zusammenhängt, aus dem Blick verlieren will. Dazu gehört eben auch der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Hier macht das Abschlussdokument klar, dass es um eine sorgfältige Unterscheidung der Fälle geht. Es ist sehr wichtig, dass man nicht versucht, von oben herab eine Lehre aufzudrücken, sondern mit den Menschen zusammen einen Weg geht.

Was bedeutet der Ausgang der Synode für die katholische Kirche in Deutschland?

Für uns in der Bischofskonferenz ist das ein starker Impuls, noch einmal verstärkt die Familienseelsorge in den Blick zu nehmen, etwa die Ehevorbereitung und die Begleitung von Paaren insgesamt. Für die Familienkommission der Bischofskonferenz ist es auch ein positiver Input für die Erarbeitung des geplanten Hirtenworts zur Familie.

Man hatte den Eindruck, dass der Umgangston unter den Synodenteilnehmern bisweilen polemisch war. Stimmt das?

Ja, es ging manchmal hart, aber immer fair und brüderlich zu. Die gesamte Bandbreite theologischer Positionen war vertreten. Der Papst hat eine freimütige Debatte ermöglicht, in der jeder sagen konnte, was er denkt. Durch die kontroversen Debatten unter den Synodenteilnehmern haben wir Franziskus letztlich unterstützt und ihm geholfen.

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