Der kleinste Zug rollt wieder

Helmut Scherer belebt den Rosenmontagszug in Unna wieder neu

Unna. 55 Jahre lang zog Helmut Scherer mit dem kleinsten Karnevalszug der Welt durch Unna. Dann konzen­trierte er sich auf die Organisation des Kinderkarnevals. Doch in diesem Jahr belebt der mittlerweile 84-Jährige den Mini-Rosenmontagszug neu.

Helmut Scherer – ein Leben für den Karneval und das Katharinen-­Hospital in Unna. Foto: Privat

 

von Matthias Nückel

„Am Rosenmontag ziehe ich ab 10.00 Uhr wieder durch die Stadt“, berichtet Helmut Scherer. Doch in diesem Jahr ist er nicht – wie früher – allein unterwegs. Ein Musikwagen begleitet ihn. „Und ich schlage die Pauke“, so Scherer. Denn sein Umzugsmotto in diesem Jahr lautet: „Heut haun wir auf die Pauke!“

Die Pauke zeugt von der Vergangenheit. Scherer bekam sie einst von den berühmten Kölner Blauen Funken geschenkt. Denn mit seinem Karnevalszug hatte es der immer noch aktive Rentner zu bundesweiter Aufmerksamkeit gebracht.

Begonnen hatte das närrische Treiben in der westfälischen Stadt 1956. Damals kam der in Paderborn aufgewachsene Scherer durch verwandtschaftliche Beziehungen nach Unna. Gleich nach seiner Ankunft initiierte er am 11. November – dem traditionellen Beginn der Karnevalssession – den ersten Umzug. Das Motto damals lautete: „Westfalenland, mein Heimatland“. Beim Zug schob Scherer einen Kinderwagen mit einer selbst angefertigten Puppe durch die Stadt.

Dieses karnevalistische Treiben blieb zunächst unbeachtet. Doch davon ließ sich Helmut Scherer nicht beirren und setzte Jahr für Jahr seinen Umzug zu unterschiedlichen Themen fort.

Im Laufe der Zeit wuchs das Medieninteresse an dem kleinsten Karnevalszug der Welt. Zeitschriften, Zeitungen und auch das Fernsehen berichteten von diesem einzigartigen Ereignis, sodass Scherer bundesweit Schlagzeilen machte. Das brachte ihm auch eine Einladung zum größten Umzug in Deutschland nach Köln ein – und als Geschenk die Pauke von den Blauen Funken.

2012 entschied Scherer, sich stärker für den Kinderkarneval zu engagieren. Ein Kinderumzug an Weiberfastnacht wurde organisiert. Aus Kindergärten und Grundschulen ziehen die verkleideten Mädchen und Jungen – natürlich mit einem Kinderprinzenpaar – zum Rathaus.

„Auch in diesem Jahr findet der Kinderumzug statt“, berichtet Scherer. Das Motto lautet: „Kinder brauchen Platz, drum machen wir Rabatz!“

Getragen wird die Veranstaltung der Kinder mittlerweile von einem Karnevalsverein. Einige Personen, die Helmut Scherer schon länger unterstützt hatten, gründeten 2016 diesen Verein, um das Lebenswerk des Chefkarnevalisten von Unna fortzuführen.

Doch noch ist der Begründer des Karnevals in Unna selbst mit dabei. Helmut Scherer sprüht trotz seines Alters vor Tatendrang – in der närrischen Zeit wie auch im Beruf. „Seit 63 Jahren bin ich im Karneval aktiv und ebenso lange arbeite ich im Katharinen-­Hospital“, erzählt der 84-Jährige stolz. Im katholischen Krankenhaus arbeitet er immer noch als Minijobber und sorgt für Sauberkeit um das Haus. Karneval und Kirche – das gehört auch für Helmut Scherer zusammen.

Ein Ende – sowohl beim Karneval als auch im Katharinen-­Hospital – ist nicht in Sicht. „Ich mache weiter, bis ich nicht mehr kann“, versichert Helmut Scherer.

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