Das wird ein Fest!

Gedanken zu Lk 13,22-30

Alles ist bereit, die Gäste können kommen. Foto: dpa

 

Die Liebe ist der Schlüssel zur Teilnahme am Festmahl des ewigen Lebens.

von Pfr. Dr. Klaus Korfmacher

Das wird ein Fest sein! Das hat sich „gewaschen“, wie man so sagt. Sie sind aus Sibirien gekommen, von der Westküste Amerikas, aus Südafrika und aus Bergen in Norwegen, aus „Köttenolpe“ im Sauerland, aus Nizza und aus Skopje und aus Bambamarca, Peru.

Alle werden an einem Tisch – an einer weißen, leinenbedeckten mit Blumen und Kerzen geschmückten Tafel – sitzen. Sie werden erzählen, lachen, essen und trinken – vielleicht später sogar auf den Tischen vor lauter Freude tanzen. Kinder sitzen nicht an Kindertischen. Sie dürfen bei den Erwachsenen sitzen. Die Alten werden besonders beachtet. Frauen und Männer bedienen gemeinsam an den Tischen. Einer unter ihnen – er hat das Gewand hochgebunden – ist Jesus Christus. Cool wird das sein – abgefahren.

Ein Platz ist frei. Es ist der Platz des „Herrn“. Ist nicht sie es, auf die ich so oft heruntergesehen habe, die neben dem Herrn sitzen darf? Ich sitze weiter unten, mehr am hinteren Tisch. Oft war ich im Leben der Erste, jetzt bin ich der Letzte. Ich bin dabei. Das ist Grund zur herzenstiefen Freude. Es sind auch die Heiligen da, die Patriarchen und die Stammmütter Israels. Ich habe Sarah gesehen und Maria Magdalena, Johannes den XXIII. und Edith Stein. Die Apostel sind da, die Prophetinnen und Propheten des alten Volkes Israel. Auch die Sybillen und einige Könige der alten Welt, aber mehr noch die vielen, die die Kirche sind. Einige sah ich an der Tafel, ich hätte schwören wollen, dass die da nicht hinpassten. Vermutlich die, die nur eine Stunde gearbeitet und dennoch den versprochenen Denar bekommen hatten. Es waren alle die da, die „Christus-ähnlich“ waren.

Um hier sein zu können, sind schmale Wege zu gehen. Es sind „Jerusalem-Wege“, auf denen Jesus lehrte. Er sprach von Gott als dem Vater. Er sagte, wie wir mit Gott sprechen können. Er machte deutlich, was der Wille des Vaters sei: die Liebe zu leben bis in den Tod. Dem folgte Jesus und trug denen auf, die ihm folgten, die Liebe zu leben, auch wenn es weh tut.

Wer will und kann das schon, „sein Kreuz auf sich nehmen?“, mögen die gefragt haben, die mit ihm gehen. Wenn das der allein-selig-machende Weg ist: „Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?“ Er gibt keine direkte Antwort, nur eine Einladung: „Bemüht euch“. Ihr müsst durch die enge Tür. „Speckt ab!“ Die Feistigkeit eurer Bosheit muss weniger werden, damit ihr durch die schmale Tür passt. Betrachtet alles vom Ende her.

Einmal wird sich die Tür schließen. Es wird die geben, die im Festsaal sind und die, die draußen sind, weil sie verpasst haben, was die Liebe lehrt. Sie werden klopfen, rufen: „Herr, mach uns auf!“ Der Herr wird antworten: „Ich weiß nicht, woher ihr seid! Ihr seid nicht aus der Liebe! Ihr wart verschlossen, auf euch selbst bezogen, habt niemanden zugelassen in eurem Leben.“

Sie werden rufen: „Aber wir haben mit dir gegessen und getrunken, du hast doch auf den Straßen gelehrt!“ Keine Chance! Ich weiß nicht, woher ihr seid. Ihr selbst habt euch ausgeschlossen; dahin, wo die Selbstbezogenheit zum Aussatzort wird und Leben einfach verkümmert, wie eine Pflanze ohne Wasser, wie der abgeschnittene Halm des Grünkrautes. Sie sahen nicht, dass das Leben eine Tiefe hat, die in Jesus Christus greifbar war. Er hat seine Liebe in den Tod hineingelebt, um in die Auferstehung hineinzuleben. Er hat Gott vertraut und dem Sieg des Lebens: auf ewig. Leben errungen für die, die er liebt und die ihn verstehen.

Dieses Ziel steht bevor, das Fest des Lebens im Reich Gottes zu feiern.

Pfr. Dr. Klaus Korfmacher ist Leiter des Pastoralverbundes Dortmund Mitte-Ost.

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