Das Kreuz macht den Weg frei!

Gedanken zu Lk 9,18-24

Das Kreuz in die Hand zu nehmen, kann einen auf dem Lebensweg weiterbringen. Foto: dommy.de/photocase

 

Im Blick auf Jesus eröffnet das eigene Kreuz den Weg zu einem reicheren Leben.

In diesen Wochen singe ich gerne den „ökumenischen Schlager“: „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit …“ Das Lied drückt meine innere Gestimmtheit im beginnenden Sommer aus. Ich freue mich über jeden sonnigen Tag. Ich freue mich über das Grün der Bäume und die blühenden Pflanzen.

So froh gestimmt, lese ich das heutige Evangelium von der Leidensankündigung Jesu und der Aufforderung zur Kreuzesnachfolge. Es stellt einen starken Kontrast zur Leichtigkeit des Sommers dar. In dieser Perikope bei Lukas fragt Jesus: „Für wen halten mich die Leute? … für wen haltet ihr mich?“ Petrus antwortet mit seinem Messiasbekenntnis und Jesus spricht daraufhin zum ersten Mal von seinem Weg des Leidens und der Auferstehung. Anschließend fordert er die Jünger auf, es ihm gleich zu tun und das Kreuz auf sich zu nehmen. Der Ernst der Sendung Jesu und seiner Nachfolge begegnet mir im Evangelium des heutigen Sonntags!

„Man muss sein Kreuz auf sich nehmen.“ Diese Aufforderung ist mir seit Kindertagen vertraut. Sie hatte für mich oft den Klang, alles Leid hinzunehmen und zu erdulden und sich dem Schicksal zu beugen. Das Kreuz auf sich zu nehmen, verstanden als eine Christenpflicht, die ich zu akzeptieren habe. Dagegen habe ich, besonders als junger Mensch, innerlich rebelliert. Wie kann ich das furchtbare Leid dieser Welt, das zum Himmel schreit, auch das persönliche Leid, einfach nur hinnehmen und aushalten?

Wenn ich die Verse 23 und 24 genauer lese, dann nehme ich wahr, es geht in diesen Versen darum, das Leben zu gewinnen. Jesus verheißt Rettung. Der Weg zum Leben führt für Jesus durch die Erfahrung des Kreuzes hindurch. Seine Motivation, das Kreuz auf sich zu nehmen, geschieht aus seiner Haltung der Liebe und der Treue zu uns Menschen. Dass sein Weg zum Kreuz führt, ist die Konsequenz seines Handelns und seiner Predigt, in der er Gott den Menschen nahebringt.
Auf diesem Hintergrund kann ich die Aufforderung, das Kreuz auf sich zu nehmen, eher annehmen.

Ich kann darin die tiefe Wahrheit entdecken, dass der Weg durch Kreuzeserfahrungen zu neuen Lebensmöglichkeiten führt. Ich kann auch in meinem Leben die Erfahrung machen, dass zum Lieben das Leiden dazugehört. Ich kann erleben, dass das, was ich mühsam festhalten will, mir zwischen den Fingern zerrinnt, und da, wo ich etwas oder einen Menschen freigebe, Neues dazugewinne.

Wenn ich solche Lebenserfahrungen mache, wächst in mir die innere Bereitschaft, Ja zu sagen zur Botschaft des Kreuzes. Ich kann aus einer inneren Einwilligung heraus annehmen, dass es in meinem Leben Momente gibt, in denen ich dem Kreuz nicht ausweichen kann, wenn ich auf dem Lebensweg weitergehen will.

Ich bin aufgerufen, mich dem Leben anzuvertrauen; anzunehmen, dass ich vieles nicht in der Hand habe, sondern letztlich aus dem Vertrauen auf Gottes Begleitung lebe. Ich kann das eigene Kreuz tragen in der Gewissheit, dass Jesus es mit mir trägt. Ebenso werde ich erfahren, dass ich das Kreuz Jesu mittrage und tief mit ihm verbunden bin, wenn ich mich auf Lebens- und Leidenssituationen von Menschen neben mir einlassen kann.

Christen, die bereit sind, Jesus auf diesem Weg zu folgen, werden zu einer heilsamen Kontrastgemeinschaft in einer Welt, die von Ausbeutung, Gewalt und Hass geprägt ist. Diesen Kon­trast haben wir wahrlich nötig – auch mitten im Sommer.

 

Maria Beineke-Koch,Diplom-Religionspädagogin, Detmold

 

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