„Das Herz wird niemals dement“

Neues Bewegungsangebot der DJK Eintracht Scharnhorst richtet sich an Menschen mit Demenz

Den Spaß an der Bewegung sieht man den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an. Foto: Petri

 

Dortmund-Scharnhorst. Zur Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat Übungsleiterin Irmi Wenzel von der DJK Eintracht Scharnhorst dieses Mal einen Stuhlkreis aufgestellt. Der große bunte Plastikball wird in die Runde geworfen. Jeder, der ihn gefangen hat, nennt jetzt den Namen einer anderen Person und schon geht der Ball wieder auf die Reise. Die rund fünf Männer und Frauen haben sehr viel Spaß bei der Übung. Fröhliches Lachen begleitet sie bei ihrer Aufgabe. Eine Sportstunde wie jede andere – fast, denn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind leicht bis mittelschwer dement.

Gemeinsam mit ihren Angehörigen und Pflegekräften besuchen sie die Übungsstunde „Beweglichkeit erhalten bei Demenz“, ein niederschwelliges Betreuungsangebot der DJK Eintracht Scharnhorst, das einmal wöchentlich im St. Immaculata-Gemeinde-Zentrum stattfindet. „Bewegung tut uns allen gut und macht Spaß, gerade dann, wenn es uns sonst vielleicht nicht so gut geht“, weiß Irmi Wenzel.

Ein Sportangebot für Menschen mit Demenz zu leiten, war allerdings auch für sie etwas Neues, was sie aber auch ganz besonders gereizt hat. „Es ist eine völlig andere He-
rangehensweise“, berichtet sie. „Man muss ein besonderes Gespür dafür entwickeln, wo sich diese Menschen gerade befinden und sie dort abholen, wo sie stehen“, sagt sie und fügt hinzu: „Ich kann hier nicht einfach ein festes Konzept abspulen, sondern muss einfach schauen, wie es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern heute geht und was ihnen gut tut. Und darauf antworte ich dann mit den Übungen.“

Sensibilität und ein feines Gespür für die Bedürfnisse der Menschen mit Demenz – das sind die Grundvoraussetzungen für die Übungsstunden, in denen die Freude an den gemeinsamen Aktivitäten natürlich an erster Stelle steht. Daneben hat der Kurs aber auch zum Ziel, die noch vorhandenen körperlichen und geistigen Ressourcen der Erkrankten zu stabilisieren und zu fördern. „Wir zielen auf die Erhaltung der Beweglichkeit durch gezieltes Kraft- und Balancetraining, um die Muskelleitungen möglichst lange zu erhalten und zu verbessern“, berichtet Irmi Wenzel.

Mit der Übungsstunde für Menschen mit Demenz nimmt die DJK Eintracht Scharnhorst an einem landesweiten dreijährigen Modellprojekt des LSB NRW und des Behinderten- und Reha-Sportverbandes teil, mit der Ausrichtung, neue Sportangebote für Demenzkranke zu entwickeln und zu erproben.

„Das Konzept der Betreuungs- und Bewegungsgruppe für Menschen mit Demenz beruht auf einer Kooperation mit dem Demenz-Servicezentrum NRW, Region Dortmund, und dem Stadtsportbund e.V. Dortmund“, berichtet Klaus Priebeler, Vorsitzender der DJK Eintracht Scharnhorst.

„Wir sind zurzeit unseres Wissens nach der erste Dortmunder Sportverein, dessen Betreuungsangebot mit dem Schwerpunkt Bewegung, das sich an Menschen mit Demenz wendet, als niederschwelliges Betreuungsangebot nach dem Pflegeversicherungsgesetz anerkannt ist“, ergänzt Jürgen Schlüter, Geschäftsführer des Vereins, der den Antrag erfolgreich bei der Bezirksregierung gestellt hat.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt außerdem von der TU Dortmund, die sich vor allem darauf konzentrieren möchte, wie sich das Bewegungsangebot auf die mentale Verfassung der Teilnehmenden auswirkt.

Durch die gemeinsamen Übungen mit den Angehörigen und anderen Teilnehmenden wird auch das soziale Miteinander der Menschen gefördert, ein wichtiger Aspekt, wenn man bedenkt, dass sich viele Erkrankte aus Angst vor Überforderungen aus allen Aktivitäten des gesellschaftlichen Lebens zurückziehen.

Aus diesem Grund ist es auch für die St. Immaculata-Gemeinde eine Selbstverständlichkeit, dass die Übungsstunden in ihren Räumen stattfinden. „Wir sehen darin auch unseren Auftrag als Kirchengemeinde“, berichtet Diakon Hans-Dieter Schwilski, „und verstehen uns auch im lokalen Angebot von Gemeinde als Dienstleister für die Menschen.“

„Auch wenn die Menschen, bei denen die Demenz schon weiter fortgeschritten ist, sehr oft in ihrer eigenen Welt leben, so ist es einfach wundervoll zu sehen, wie gut ihnen die Bewegungsübungen tun und wie sehr sie sich über dieses Angebot freuen.“ Denn das Herz werde niemals dement, da ist sich Irmi Wenzel sicher.

Anna Petri

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