Christenfreie Zone?

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Der Nahe Osten ist die Wiege des Christentums. Doch die Zahl der Christen dort sinkt dramatisch. Durch den Terror des sogenannten „Islamischen Staates“ hat sich die Fluchtbewegung noch einmal verstärkt.

Es sind nicht nur die syrischen Christen, die ihre Heimat verlassen. Auch im Irak ist die Zahl der Christen erheblich zurückgegangen. Die gleiche Entwicklung gibt es – wenn auch schleichend – in Israel und in den palästinensischen Gebieten.

Der Nahe Osten droht zur christenfreien Zone zu werden. Die Politik hat dem Exodus über Jahre hinweg tatenlos zugesehen. Erst mit der Massenflucht von Syrern kommt das Thema auf die Tagesordnung der Weltgemeinschaft.Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Ludwig Schick, hat jetzt die Krisenregion im Nahen Osten besucht. Die Reise diente auch dazu, Solidarität mit den Christen dort zu zeigen. Das ist bitter nötig. Denn die Bischöfe in den Ländern rufen die Christen oft vergeblich zum Bleiben auf.

Solidarität zu zeigen nutzt alleine jedoch wenig. Die Probleme im Nahen Osten müssen politisch gelöst werden – ob im Irak, in Syrien oder auch in den Palästinensergebieten. Verantwortungsvolle Weltpolitik kann nicht darin bestehen, immer mehr Menschen in Flüchtlingslagern zu kasernieren. Vielmehr muss den Menschen eine Möglichkeit geschaffen werden, in ihrer Heimat zu bleiben.

Wenn der Nahe Osten zur christenfreien Zone würde, dann wäre dies nicht nur für die betroffenen Länder fatal. Die gesamte Welt würde letztlich kulturell ärmer werden.

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