Brückenbauerin Europas

Eine Reliquie der heiligen Hedwig wird 2017 in der Rietberger Klosterkirche zugänglich gemacht

Rietberg. Sie gilt als eine Patronin Polens und Deutschlands: die heilige Hedwig. Vor 749 Jahren wurde die Herzogin von Schlesien heiliggesprochen. Kürzlich erhielt die Pfarrei St. Johannes Baptist in Rietberg eine Reliquie der Heiligen, die von 1174 bis 1243 lebte. Hedwig wird als Vorbild christlicher Nächstenliebe verehrt. Elisabeth Reiß, Vorsitzende des Hedwigs-Werkes im Erzbistum, übergab die Reliquie aus dem Nachlass der Gräfin Marie-Theres von Strachwitz an Pfarrer Andreas Zander.

Elisabeth Reiß übergab dem Rietberger Pfarrer Andreas Zander eine Reliquie der heiligen Hedwig. Neben der Reliquienmonstranz ist eine Figur der Heiligen zu sehen. Foto: Birkholz

 

von Rolf Birkholz

Die in einer Reliquienmonstranz verwahrte Reliquie, ein Knochensplitter, wurde im Verlauf einer heiligen Messe in der Kapelle des Säkularinstituts Vita übergeben. Dort hatten sich Mitglieder verschiedener Hedwigs-Kreise zu ihrem Jahrestreffen eingefunden. Besonders aus Schlesien stammende Gläubige fühlen sich der Heiligen verbunden, deren Nichte die heilige Elisabeth von Thüringen war.

Hedwig habe „mit Gottvertrauen und Tatkraft Großes geleistet“, würdigte Pfarrer Zander die Heilige. Und wie man bei Schlesiertreffen ja nicht nur „romantisch ver-klärt“ zurückschaue, sondern auch nach vorn, empfahl er die Heilige auch als „Brückenbauerin“ der europäischen Einigung. Als bei seinem Besuch kürzlich im einst von Hedwig gestifteten polnischen Kloster Trebnitz eine Schwester erfahren habe, dass er aus dem Erzbistum Paderborn stamme, habe sie gleich auf die hiesige Niederlassung der Borromäerinnen in Kloster Grafschaft hingewiesen: „Da sind auch unsere Schwestern.“

Pfarrer Zander nahm das als Zeichen der Verbindung – auch zwischen den Ländern. Und als Zeichen, dessen Kraft man erspüren müsse, empfahl er die Reliquie der in beiden Ländern verehrten Heiligen. Er wisse, für manche habe so ein Gegenstand einen „Beigeschmack“. Doch für ihn gelte die Achtung vor solchen Glaubensbräuchen. Und: „Was du von deiner Oma gekriegt hast, das schmeißt du nicht weg.“ Im Übrigen werde eine Reliquie nicht als solche, sondern nur in ihrer Beziehung zu dem jeweiligen Heiligen verehrt.

Dies werde, so Pfarrer Zander, wohl binnen Jahresfrist an einer festen Stelle in der Rietberger Klosterkirche möglich sein. Denn dazu bedarf es bestimmter baulicher Vorrichtungen. Erst im April war im Frankfurter Kaiserdom St. Bar­tholomäus eine Hedwig-Reliquie gestohlen worden. Aus dem Kloster Trebnitz (Trzebnica) hatte man Ersatz bekommen für das Erinnerungsstück an die Heilige, die auch als „Trösterin der Heimatvertriebenen“ verehrt wird. Zu diesen Heimatvertriebenen hatte auch die Gräfin Strachwitz (1925-2011) gehört, aus deren Nachlass die Hedwig-Reliquie stammt. Sie zählte übrigens den Dichter Joseph von Eichendorff zu ihren Vorfahren. Nach dem Krieg hatte sie in Bremen/Ense im Kreis Soest eine neue Heimat gefunden.

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