Botschaften an drei Hirtenkinder

Wie Maria den kleinen Ort Fátima veränderte

Die Seherkinder Lúcia, Francisco und Jacinta (v. li.): Während Francisco und Jacinta Marto schon im Alter von 9 und 10 Jahren starben, wurde ihre Cousine Lúcia 97 Jahre alt.Foto: dpa

 

Fátima (KNA/nü). Am 13. Mai 1917 erschien Maria in Fátima den drei Hirtenkindern Lúcia dos Santos sowie Francisco und Jacinta Marto. Bis zum Oktober desselben Jahres setzten sich die Erscheinungen jeweils am 13. eines Monats fort. In diesem Jahr nun feiert der portugiesische Wallfahrtsort das 100-jährige Jubiläum der Erscheinungen.

Fátima ist ein eigentümlicher Name für einen katholischen Marienwallfahrtsort im Westen Europas. Er geht zurück auf die Zeit der christlichen Rückeroberung der Region Santarém aus der Hand der Muslime Mitte des 12. Jahrhunderts. Fátima, so die Legende, war die schöne Tochter eines maurischen Fürsten. Von Christen entführt und an den örtlichen Grafen von Ourém verkauft, soll sie aus Liebe zu diesem 1158 die Taufe empfangen haben.

Spätestens seit 1917 bestimmt eine andere Frau die Geschicke des Örtchens: Maria. Seit die Gottesmutter hier während des Ersten Weltkrieges mehrfach drei armen Hirtenkindern erschien, ist nichts mehr, wie es war in Fátima.

„Ich bin gekommen, euch zu bitten, dass ihr in den folgenden sechs Monaten, jeweils am Dreizehnten zur selben Stunde hierherkommt. Dann werde ich euch sagen, wer ich bin und was ich will. Ich werde danach noch ein siebtes Mal hierher zurückkehren“, beschreibt Lúcia dos Santos die Worte Mariens bei der ersten Erscheinung. Die Zahl der Menschen, die zum Ort der Erscheinungen kamen, wuchs ständig. Waren es bei der zweiten Erscheinung zwischen 50 und 60, so kamen zur vierten Erscheinung nach Angaben von Lúcia dos Santos schon zwischen 15 000 und 18 000 Menschen. Bei der letzten Erscheinung im Oktober 1917 sollen es schon zwischen 50 000 und 70 000 Gläubige gewesen sein.

Bereits 1916 hatten die drei Kinder erzählt, ihnen sei beim Schafehüten ein Engel erschienen. Er habe sie auf das vorbereitet, was ihnen im folgenden Jahre begegnen solle. Doch ähnlich wie in Lourdes weigerte man sich auch in Fátima, den Erzählungen der Kinder zu glauben. Lúcia, die Älteste, wurde auf der Straße als „neue Bernadette“ verspottet. Der Geistliche von Fátima drohte an, ihr die Absolution zu verweigern, wenn sie bei ihren Aussagen bliebe. Sie blieb dabei – und Jacinta und Francisco ebenfalls.

Am 13. Juni 1917 sah von den etwa 60 Neugierigen, die mit den Kindern gegangen waren, keiner die Erscheinung. Die Kinder dagegen erzählten später, dass sich ihnen die Dame wieder gezeigt habe. Lúcia habe auch mit ihr gesprochen und die Dame mit ihr. Jacinta habe sie nur gesehen und gehört und Francisco hat sie nur gesehen.

Vor dem 13. August sperrte der als Atheist bekannte Landrat des Distriktes die Kinder in der Kreisstadt Vila Nova de Ourém ins Gefängnis. Er drohte ihnen schlimme Strafen an, wenn sie bei ihren Erzählungen blieben. Am 15. August wurden die Kinder wieder freigelassen. Vier Tage später berichteten sie, dass sie an einer anderen Stelle dieselbe Erscheinung wie schon dreimal vorher gesehen hätten.

Am 13. Oktober 1917 geschah das sogenannte Sonnenwunder. Viele der damals Anwesenden berichteten, dass sie Wunderbares gesehen hätten. Die Sonne schien ihre Bahn zu verlassen und als feurige Kugel gegen die Erde zu stürzen.

Die Muttergottes kündigt den Kindern Jacinta und Francisco an, dass sie nicht lange leben würden. Lúcia aber werde am Leben bleiben, um den Menschen die empfangene Botschaft zu überbringen. Tatsächlich starb Francisco schon am 4. April 1919 und Jacinta am 20. Februar 1920. Lúcia wurde zunächst in ein Waisenhaus bei Porto in Nordportugal gebracht. Seit 1925 lebte sie als Schwester Maria Dolores im Kloster Pontevedra in der spanischen Provinz Galicien.

1924 wurde Lúcia zum ersten Mal von einer kirchlichen Untersuchungskommission unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhört. Einige Jahre später, bei einer zweiten kanonischen Untersuchung, schrieb Lúcia alle Weissagungen von Cova da Iria auf. Diese Niederschrift wurde versiegelt und dem Bischof von Leiria, Don José da Silva, übergeben. Schwester Lúcia starb am 13. Februar 2005.

Es gibt zahlreiche Parallelen zwischen Fátima und dem Pyrenäenort Lourdes, der im Jahr 1858, ebenfalls einer Notzeit, durch eine Erscheinung aus seiner Bedeutungslosigkeit gerissen wurde. Heute hat ­Lourdes 15 000 Einwohner, fast ebenso viele Hotelbetten und mehrere Millionen Übernachtungsgäste pro Jahr. Das Dorf selbst ist mehr oder weniger dem Wallfahrtsbezirk angegliedert.

So ist es auch im eigentlich beschaulichen Fátima. Rund 11 500 Einwohner leben hier von und mit dem Pilgerbetrieb, der Millionen Menschen bewegt sowie die Andenken- und Devotionalienläden leert und immer neu befüllt. Allein die erst 2009 geweihte Dreifaltigkeitsbasilika fasst rund 9 000 Besucher und ist damit eine der größten Kirchen der Welt.

Die mystische Aufladung von Lourdes basiert – neben den eigentlichen Marienerscheinungen – vor allem auf den unerklärlichen Heilungen, die sich an der Mariengrotte ereignet haben und weiter ereignen. In Fátima sind es die Prophezeiungen selbst: die sogenannten Geheimnisse von Fátima – jene Botschaften, welche die Muttergottes den drei Seherkindern gemacht haben soll.

Weitere Berichte dazu finden Sie auch in der Printausgabe des Dom Nr. 17 vom 30. April 2017

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