Berührender Osterglaube!

Gedanken zu Joh 20,19-31

Die Wundmale Jesu eröffnen den Zugang zu ihm als auferstandenen Herrn.

Als Kind lernt man, nicht alles anzufassen, aber manche Berührungen helfen einem doch weiter. Foto: markusspiske/photocase

 

von Stephan Schröder

Pünktlich zum Osterfest werden uns in einschlägigen deutschen Magazinen die neuesten Umfragen zum Glauben an die Auferstehung präsentiert. Demnach scheinen gut zwei Drittel der Deutschen nicht an die Auferstehung zu glauben. Gut jeder Dritte glaubt der Umfrage zufolge an die Auferstehung. Von den befragten Katholiken glaube immerhin jeder zweite an die Auferstehung Jesu von den Toten.

Ein ernüchterndes Ergebnis zum Osterfest.

Ein Blick in das heutige Johannesevangelium zeigt uns jedoch auf, dass nicht nur modern denkende Menschen ihre Schwierigkeiten mit der Auferstehung haben. Mit dem Apos­tel Thomas wird uns der Inbegriff eines Skeptikers vorgestellt. Im Volksmund wird er auch als der Ungläubige bezeichnet, was ihm sicherlich nicht gerecht wird. Thomas ist vielmehr ein Mensch, der nach Möglichkeiten sucht, um an die Auferstehung Jesu glauben zu können. Für ihn gibt es nur eine Möglichkeit, er muss seine Finger in die Wundmale Jesu legen, um zu glauben. Der Auferstandene löst diese Forderung des Thomas im heutigen Evangelium ein, indem er zu ihm spricht: „Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Thomas erkennt in diesem ergreifenden Moment den Auferstandenen mit den Worten: „Mein Herr und mein Gott!“ Obwohl Thomas als einer der Letzten dem Auferstandenen begegnet, obwohl er an den Auferstehungsberichten der Jünger zweifelt, erhalten wir mit diesen Worten wohl das stärkste Glaubensbekenntnis an den Auferstandenen. Aus dem zweifelnden Thomas wird ein überzeugter Bekenner! Papst Gregor der Große ( 604) meint sogar: „Der Unglaube des Thomas hilft uns mehr zum Glauben als der Glaube der gläubigen Jünger.“

Die Begegnung zwischen dem Auferstandenen und Thomas ist auf dem berühmten Gemälde von Caravaggio (siehe Seite 16) so dargestellt, als ob Jesus die Hand des Thomas ergreift und selber in seine Seitenwunde einführt. Jesus ergreift sozusagen nach diesem Bild die Initiative und will berührt werden, damit Thomas endlich begreift, dass der Auferstandene vor ihm steht. Zwar sagt Jesus zu Thomas „sei nicht ungläubig, sondern gläubig“ und „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig, die nicht sehen und doch glauben“. Ja, Jesus weiß um unsere Skepsis, die sich in Thomas widerspiegelt. Und er geht sogar einen Schritt auf die Zweifler und Skeptiker zu, er nimmt sie sozusagen an die Hand. Jesus ermöglicht eine intime Berührung, die im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass viele Menschen vermehrt nach einer Spiritualität suchen, die sie emotional anspricht, die sie also berührt. Ich denke da z. B. an die Weltjugendtage, wo junge Menschen sich von der einzigartigen Atmosphäre, von der Begeisterung und durch Begegnungen mit Christen aus aller Welt berühren lassen. Nicht wenige junge Menschen haben durch diese Erfahrungen Jesus Christus für ihr Leben neu entdeckt. Ich denke z. B. an die neue Jugendkirche in Hardehausen, wo immer wieder Menschen auf mich zukommen und sagen, wie sehr sie dieser moderne Sakralraum berührt. Ein Besucher sagte mir: „Ich bin anders herausgekommen als ich hi­neingegangen bin.“

Die Umfragen zum Osterglauben mögen uns einerseits ernüchtern. Andererseits rufen sie uns in Erinnerung, dass eine Mehrheit der Menschen in unserem Land eine berührende Glaubenserfahrung benötigt, um Jesus Christus in ihrem Leben zu entdecken. Thomas legt heute den Finger in die Wunde, damit wir daran erinnert werden und damit immer mehr Menschen sagen können: „Mein Herr und mein Gott!“

Der Autor Stephan Schröder ist Diözesanjugendpfarrer und Direktor des Jugendhauses Hardehausen.

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