Bedrohliche Entwicklung

Ein Kommentar von Andreas Wiedenhaus

Der Jahresbericht 2015 des katholischen Hilfswerkes Misereror verheißt nichts Gutes: Die Diskrepanz zwischen wachsenden Aufgaben und sich stetig verschlechternden Arbeitsbedingungen für Helfer und Partner-Organisationen wächst: Immer öfter sehen sie sich Repressalien ausgesetzt – bis hin zu Morddrohungen; von vielen anderen Behinderungen und Störungen gar nicht zu reden.

Jetzt fordert die Hilfsorganisation die Unterstützung der Bundesregierung ein: Sie solle auch dann konsequent auftreten, wenn es nicht um rein wirtschaftliche Interessen gehe.

Das Problem wäre an sich schon schlimm genug, doch die Situation bekommt angesichts der aktuellen Flüchtlingszahlen eine nicht zu unterschätzende weitere politische Dimension – für die Bundesregierung und die gesamte Europäische Union: Mit Blick auf die immer wieder eingeforderten und angekündigten Aktivitäten, Fluchtursachen bekämpfen zu wollen, sind Hilfsorganisationen wie Misereor wichtige Partner: Als Nichtregierungsorganisationen genießen sie das Vertrauen der Bevölkerung und stehen kaum im Verdacht, korrupt zu sein.

Aus dem gleichen Grund aber begegnen ihnen Machthaber etwa in Afrika mit großem Misstrauen: Wer als Ziel hat, die Ausbeutung der Bevölkerung zu beenden und diese mit Bildungsangeboten zu mündigen Bürgern zu machen, ist ein Gegner, der aus Sicht der Regime mit allen Mitteln bekämpft werden muss.

Erst wenn dieser Teufelskreis durchbrochen ist, darf man darauf hoffen, dass es wirklich gelingt, Fluchtursachen aus der Welt zu schaffen.

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