Auf dem Weg – in der Nachfolge Jesu

Gedanken zu Mt 4,12-23

Ausbruch oder Aufbruch? Losgehen, den geschützten Raum verlassen, ist ein Risiko, aber vielleicht führt dieser Weg ins Leben.Foto: Sascha Hübers/pixelio

 

Wer Jesus konsequent nachfolgt, wird seinen Weg des Glaubens finden.

von Pfr. Klaus Fussy

Geht das nicht etwas zu glatt? Jesus geht am See entlang und trifft auf vier Fischer, jeweils zwei Brüder: Simon, den man Petrus nennt, und Andreas und dann die beiden Zebedäussöhne Jakobus und Johannes. Er spricht sie an und fordert sie auf, ihm zu folgen. Da lassen sie, ohne zu zögern, alles fallen, stehen und liegen und folgen ihm. Die Letzteren lassen auch ihren Vater allein.

Muss man sich das nicht besser und länger überlegen? Denn das hat ja weitgehende Konsequenzen! Es verändert das ganze Leben. Es führt zu einem neuen Anfang. Waren sie sich der Folgen nicht bewusst? Sie werden noch erfahren, was das bedeutet. Jesus selbst hatte sich nach Galiläa zurückgezogen, denn Johannes hatte man schon ins Gefängnis geworfen. Es ist das Risiko der Prophetenexistenz. So hatten sie es schon mit vielen anderen vorher gemacht.

Propheten reden im Namen Gottes Unbequemes. So ist die Wahrheit: Wer sie ausspricht, lebt gefährlich! Genauso ist es dann Jesus ergangen: Er starb deshalb am Kreuz. Vielleicht war den Vieren die ganze Tragweite dessen, was sie taten, noch nicht bewusst. Vielleicht …

Wir zögern oft zu lange – das ist die andere Wirklichkeit. Und dabei sitzen wir viel zu viel, anstatt zu gehen. Wir entwickeln Pläne, Strategien, Vereinbarungen am Tisch, statt auszuprobieren und zu wagen. So landet mancher große Plan in der Schublade. Schade drum, es hätte Großes daraus werden können.

Nachfolge meint doch anderes. Wer Gott begegnet, dem verändert er das Leben. „Bekehrung ist ein gewaltsames Ereignis“, schreibt die französische Mystikerin Madeleine Delbrêl. Schon auf den ersten Seiten ruft uns das Evangelium zur „metanoia“ – bekehrt euch, das heißt: „Kehrt euch um, schaut euch nicht selber an, kehrt euer Antlitz mir zu.“

Das geschah mit den vier Fischern – und deshalb konnten sie nicht anders als aufstehen.
Geht es uns nicht häufig zu sehr um uns selbst, um Fortbestand der Kirche, „unserer“ Gemeinde, all „unserer“ Gottesdienste, statt einfach loszugehen, um zu sehen, wohin der Herr uns führen will?
Freilich ist das nicht ohne Risiko. Wissen wir, wohin er uns führt und was uns auf diesem Weg geschieht?

Auch den Jüngern war er später oft ein Rätsel, vor allem dann, wenn er von seinem Leiden und Sterben sprach. Bis zum Schluss haben es die meisten nicht verstanden. Madeleine Delbrêl spricht von Gott als dem „dunklen Licht“, sogar von einer „unergründlichen Finsternis Gottes“. Er bleibt das unfassbare Geheimnis. Und trotzdem ging sie, weil Gott sie erfasst hatte. Vielleicht war das bei den vier Erstberufenen genauso.

In ihrem letzten Vortrag, kurz vor ihrem Tod im Jahr 1964, bekannte Madeleine Del­brêl: „Ich bin von Gott überwältigt worden und bin es immer noch.“ Das mögen die vier ersten Jünger auch gespürt haben. So bleibt ihnen keine andere Wahl, als alles andere stehen zu lassen: ohne zu zögern und sogleich.

Nein, auch pastorale Methoden für Gegenwart und Zukunft bleiben hohl, wenn wir uns nicht von Gottes Geist erfassen und erfüllen lassen und hinter Jesus hergehen. Dann wird er uns zeigen, was wir tun sollen. In der Tat, das Evangelium ist eine „gefährliche Erinnerung“ (J. B. Metz), es bleibt risikoreich, aber ohne Alternative und ohne Netz und doppelten Boden.

Zum Autor: Pfr. Klaus Fussy ist Dechant des Dekanates Bielefeld-Lippe und Pastor im Pastoralverbund Bielefeld-­Ost.

Diesen Artikel teilen:

Ähnliche Artikel