Arbeiten am Mosaik der Einheit

Gedanken zu Joh 17,20-26

Auferstehungsmosaik in St. Katharina in Unna, Foto: Stefan Reimet

 

Das Bemühen um Einheit im Glauben muss das Weltganze im Auge haben.

In der Krypta der Katharinenkirche in Unna ist ein Mosaik der Auferstehung Jesu zu sehen – ein mehrere Quadratmeter großes Bild, zusammengefügt aus unzähligen kleinen Steinen. Ein solches Mosaik ist wie ein Bild für die Welt, wie Gott sie sich gedacht hat. Aus vielen unterschiedlichen Einzelteilen und Einzelwesen setzt sie sich zusammen. Nichts gleicht dem anderen. Aber erst zusammen bilden sie eine Einheit. Eben wie bei einem Mosaik: jeder Stein ist da wichtig, nur mit den anderen zusammen kommt das Bild zustande.

So also stellt sich Gott auch die Welt vor. Alles hat seinen Sinn. Nichts in ihr darf fehlen: die unterschiedlichsten Menschen gehören dazu, die Tiere und Pflanzen, die Steine, Land und Meer, Himmel und Erde, der gesamte Kosmos – ein kunstfertiges Ganzes, gefügt aus vielen einzelnen Elementen. Alle sind auf einander hin geordnet. Jedes einzelne Teil steht in Beziehung zum Ganzen. Keins darf sich auf Kosten des anderen aufspielen.

Genau das aber beobachten wir ununterbrochen. Die gute Ordnung Gottes ist vor allem durch uns Menschen durchein­ander geraten. Anstatt dass die ganze Schöpfung in Frieden und Einheit den großen Plan Gottes verwirklicht, leben viele in ihr auf Kosten der anderen. Krieg, Streit, unnötiges Blutvergießen, seelische Verletzungen sind die Folgen. Es scheint, dass aus dem Mosaik der Welt immer wieder Steine herausgebrochen werden im Großen wie im Kleinen, in der weiten Welt und privat, sodass das ganze gute Bild zerstört wird.

Da sollen die Jünger und Jüngerinnen Jesu Abhilfe schaffen. In seinem großen Abschiedsgebet bittet Jesus den Vater darum, dass seine Jünger und Jüngerinnen eins seien, damit die Welt glaube. Vor allem durch diejenigen, die zu Jesus gehören, soll die gespaltene Welt wieder zur Einheit finden. Die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden spielt also eine besondere Rolle. Jünger und Jüngerinnen Jesu sollen eins sein, „wie du Vater in mir bist und ich in dir bin“. Bei dieser Einheit handelt es sich nicht um ein oberflächliches „Seid nett zueinander!“ Die Einheit der Jünger und Jüngerinnen Jesu muss in der Tiefe begründet sein, so wie auch die Einheit von Jesus und dem Vater in der Tiefe des göttlichen Wesens begründet ist. Nur so können die Menschen auch zum Glauben an Gott und seinen Gesandten Christus finden.

Wenn wir freilich ehrlich sind, müssen wir gestehen: Christen und Christinnen sind dieser Berufung, Quelle der Einheit des Menschengeschlechts zu sein, nur sehr bruchstückhaft gerecht geworden. Nicht nur, dass es von den ersten Jahrhunderten an bis auf den heutigen Tag Kirchentrennungen gegeben hat mit gegenseitigen Verwerfungen und häufig auch tätlichen Angriffen. Auch innerhalb der einzelnen Konfessionen, Pfarrgemeinden, Gruppierungen gibt es immer wieder Spaltungen.

Und doch bleibt der Auftrag Jesu so stehen, wie er da steht. Und doch ist es sein heiliger Wille, dass alle eins seien.

Von Frère Roger, dem Gründer der ökumenischen Mönchsgemeinschaft in Taizé stammt das Wort: „Lebe mit allen Menschen so viel Einheit wie du kannst!“ Wir sollen im Umgang mit anderen Menschen nicht nur auf das schauen, was uns von ihnen trennt, sondern auf das, was uns mit ihnen verbindet. Welch ein Segen würde es bedeuten, wenn unsere Familien, unsere Pfarrgemeinden, die neuen pastoralen Räume, Konfessionen und Religionen, Parteien und Völker so miteinander umgehen würden! Es wäre ein erster Schritt, den Willen Jesu und Gottes guten Plan in die Tat umzusetzen!

Heinz Josef LöckmannLeiter des Pastoralverbundes Eggevorland.

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