Am Ende hat immer alles gepasst

Schwester Maria Georg Loos erzählt von ihrem Leben, das immer für eine Überraschung gut war

Schwester Maria Georg in der Paderborner Bonifatius-Buchhandlung.Foto: Flüter

 

Paderborn. Fast nichts ist in ihrem Leben so gekommen, wie sie erwartet hat – und doch wurde mancher Wunsch später unverhofft erfüllt. Schwester Maria Georg Loos hat alles akzeptiert und ein aufregendes Leben geführt. „Ja, es ist abenteuerlich, sich auf den Gott der Überraschungen einzulassen“, sagt die 72-Jährige, „aber ich würde alles genau so wieder tun.“

Gleich zu Beginn des Treffens in der Paderborner Bonifatius- Buchhandlung bittet die Missionsschwester vom Kostbaren Blut (CPS) um Verständnis. Es könne sein, dass ihr ein englisches Wort in die Rede schlüpfe. Nach mehr als drei Jahrzehnten in Südafrika darf das schon mal passieren, auch wenn Schwester Maria Georg Loos schon seit fünf Jahren aus Neuenbeken als Provinz­oberin die Geschicke ihres ­Ordens in Deutschland und Holland leitet.

Die Bonifatius-Buchhandlung hatte sie im Rahmen des „Jahres der Orden“ zu einem Vortrag eingeladen. Eigentlich sollte das Thema lauten: „Ich stehe hier und kann nicht anders – Ordensleute erzählen“.

Doch aus dem Vortrag wird nichts. Das liegt auch daran, dass Schwester Maria Georg Loos ohnehin nicht der Typ für große Vorträge ist, eher für unterhaltsame Geschichten und gute Gespräche. Außerdem ist für sie ein anderes Lebensmotto prägend gewesen. Sie fasst es in einer kurzen Formel zusammen: „Gottes Wille, mein Wille, ein Wille“. So gewappnet, konnte sie zeitlebens nichts überraschen.

Das galt schon für die junge Novizin, die es in die Fremde zog. Schwester Maria Georg Loss wollte nach England zum Lehrerstudium, aber weil im Orden eine Physiotherapeutin gesucht wurde, verschlug es sie als Auszubildende nach Kanada, bevor sie nach Südafrika ging. Dort erreichte sie nach wenigen Wochen ein Hilferuf des Ordens: Es fehlten Lehrerinnen. So arbeitete sie doch noch 30 Jahre in ihrem Wunschberuf. Leicht war auch das nicht in einem Land, das den schmerzhaften Kampf gegen die Apartheid durchlebte. Das Lehramt studierte sie erst nach 20 Jahren Berufserfahrung. „Ich habe Sachen gemacht, die darf man eigentlich nicht erzählen“, sagt sie.

So war es fast immer in ihrem Leben. Eigentlich ist nichts so gekommen wie erwartet, und doch hat am Ende immer alles gepasst. Schwester Maria Georg Loos hat jede neue Wendung des Schicksals mit der Gelassenheit angenommen, die aus den Tiefen eines sehr persönlichen Glaubens kommt. „Man muss sich nur auf das einlassen, was Gott an Überraschungen bietet“, ist sie überzeugt.

Man nimmt ihr dieses Bekenntnis sofort ab. Ruhig und freundlich sitzt sie in der Buchhandlung zwischen ihren Zuhörern. Rasch entspinnt sich ein Gespräch. Jeder erzählt von sich, alle hören zu. Es ist ein kleines Kunststück der Gesprächsführung, dass man an diesem Abend in der Bonifatius-Buchhandlung erleben darf – und das vor allem deshalb, weil Schwester Maria Georg Loos jedem Teilnehmer viel Achtsamkeit entgegenbringt. Am Ende entschließen sich die Teilnehmer zu einen Wiederholungstreffen, obwohl sie sich alle erst an diesem Abend kennengelernt haben.

Der Respekt für andere ist ausschlaggebend für die Suche nach Gott, sagt Maria Georg Loos: „Gott kommt in vielen Verkleidungen. Wer achtsam lebt, wird ihn erkennen.“ Das wird sie auch nach dem Ende ihrer Amtszeit als Provinzoberin beherzigen. 2018 wird das sein, und sie kann sie sich sehr gut vorstellen, dann ins Mis­sionshaus Maria Veen im Münsterland zu ziehen. Dort warten noch Aufgaben auf sie und Energie hat Schwester Marie Georg Loos mehr als genug. Außerdem: Man weiß ja nie, was passiert.

Karl-Martin flüter

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