„Alter wird neu verhandelt“

Letzte Lebensphase wird länger: Auswirkungen auf Bildungsangebote

Erzbistum (-haus). Was früher „Lebensrest“ war, ist heute zu einer Phase geworden, die kontinuierlich länger wird: Das „Alter“ hat eine neue Bedeutung bekommen, meint der Bochumer Soziologe Professor Rolf G. Heinze. Der Begriff „Ruhestand“ sei in diesem Zusammenhang zu pauschal, denn viele Menschen seien bis ins hohe Alter noch fit und aktiv und nutzten diese Möglichkeiten auch – für sich persönlich oder für andere; etwa bei ehrenamtlichem Engagement.

Aktiv und fit im Alter: Eine gesellschaftliche Entwicklung, die sich ganz entscheidend auf die Angebote im Bildungs- und Freizeitbereich auswirkt. Foto KNA

 

Dabei, so der Bochumer Soziologe, müsse man sich aber vor Verallgemeinerungen hüten, nicht immer überwiegen die positiven Begleitumstände: Während einzelne Gruppe im Vergleich zu früheren Generationen ihre Potenziale besser nutzen könnten und auch im hohen Alter noch Chancen und Möglichkeiten hätten, fühlten sich andere abgehängt und ausgegrenzt.

Der soziale Status und die materiellen Möglichkeiten spielten weiter eine große Rolle. Angebote in allen gesellschaftlichen Bereichen müssen nach Heinzes Meinung darauf zugeschnitten sein – von Wohnmöglichkeiten bis zu Bildungsangeboten.

Dass sich im Bildungsbereich die Verhältnisse mit Blick auf die ältere Generation ändern, bestätigt auch Stefan Tausch, der Leiter des Bil­dungs­hauses St. Bonifatius in Winterberg-Elkeringhausen: „Die Zahl älterer Teilnehmer wächst – das ist ein Trend, der für viele Bereiche gilt. Gleichzeitig bauen wird die speziellen Angebote für Senioren mit neuen Ideen aus.“

Dabei stelle er fest, so Tausch, dass die „Generation 60plus“ vielfach mit „Betulichkeit“ nichts mehr anfangen könne: „Es wird kritisch hinterfragt, und die Dinge werden beim Namen genannt.“

Mit Themen wie Krankheit, Ruhestand oder auch Trauer gingen ältere Menschen heute offensiver um – ebenso wie mit theologischen Themen: „Viele sind vom Konzil geprägt und sehen sich selbst als durchaus progressiv.“

Die Tatsache, dass Menschen heute „später alt würden“, mache vieles positiv möglich, meint der Leiter der Bildungsstätte: „Im kommenden März werden wir zum ersten Mal einen Kurs für Goldhochzeitspaare anbieten.“

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