Als der Papst Paderborn besuchte

Das Erzbistum befand sich im Ausnahmezustand, als Johannes Paul II. 1996 nach Paderborn kam

Papst Johannes Paul II. fährt in Begleitung von Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt mit dem Papamobil durch die Menge. Das Wetter war ähnlich wie im Juni dieses Jahres. Foto: Gerd Vieler

 

Vor zwanzig Jahren besuchte Papst Johannes Paul II. das Erzbistum. Tausende Menschen hatten über Monate den Papstbesuch vorbereitet, Hunderttausende kamen, um das Oberhaupt der katholischen Kirche zu sehen.

Die DOM-Ausgabe vom 30. Juni 1996 erscheint mit dem ungewohnten Aufdruck „aktuell“. Auf dem Titelbild ist Papst Johannes Paul II. mehrfach zu sehen, vor dem Dom, winkend beim Ausstieg aus einem Flugzeug. 1197 Jahre nach dem Treffen von Papst Leo III. und Karl dem Großen an der Quellen der Pader kommt erneut ein Oberhaupt der katholischen Kirche in die Bischofsstadt – und die Kirchenzeitung Der DOM berichtet schon seit Monaten ausführlich über die Papstvisite.

Von Freitag, 21. Juni, 19.00 Uhr, bis Sonntagmorgen, 23. Juni, 8.00 Uhr, steht Paderborn im Blickpunkt der – nicht nur – katholischen Welt.

In den 37 Stunden zwischen Ankunft und Abschied bewältigt der kranke Johannes Paul II. ein erstaunliches Arbeits­pensum. Am Samstagmorgen feiert er mit 80 000 Gläubigen in der Senne bei Bad Lipp­springe eine Eucharistiefeier, nachmittags kommt er im Paderborner Collegium Leoninum mit Repräsentanten von katholischen und nichtkatholischen Gemeinschaften zusammen. Es folgen ein ökumenischer Gottesdienst im Dom und ein Abendessen mit den Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz. Paderborn ist die erste Station der dritten Deutschlandreise von Johannes Paul II. In Berlin wird er unter anderem Bernhard Lichtenberg und Karl Leisner seligsprechen.

Seit Monaten haben sich Organisationsteams auf den Besuch vorbereitet. Etwa 4 000 Menschen sind unmittelbar mit der Planung und Realisierung des Besuchs beschäftigt. Nicht alles ist planbar. Als der Papst angekommen ist, fällt auf, dass seine Mitra in Rom vergessen wurde. Er leiht sich die Kopfbedeckung vom Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt.

Im Erzbischöflichen Generalvika­riat ist der Diplom-Theologe Wolfgang Hesse der hauptverantwortliche Ansprechpartner für Sicherheits- und Ordnungsfragen. Er arbeitet eng mit Bundeskriminalamt (BKA), Polizei und dem Malteser-­Hilfsdienst zusammen – aber auch mit den Schützen. 1 200 Schützen wurden als Ordner verpflichtet.

Neben den Personenschützern der Schweizer Garde, die den Papst immer begleiten, stellt das BKA weitere Bodyguards ab. „Zudem werden sehr viele Polizisten, deren Zahl geheim gehalten wird, den Weg und das Gelände in der Senne sichern. Sie werden auf dem Platz eine eigene Kommandozentrale haben“, vermeldet Der DOM am 16. Juni. Jeder, der Johannes Paul II. nahekommt, braucht einen Sicherheitsausweis, auch Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt. 800 dieser Bescheinigungen werden ausgegeben.

Eine Woche vor der Ankunft des römischen Oberhirten liefert Der DOM seinen Lesern Antworten auf die drängendsten Fragen, etwa auf die, wann der Papst zu sehen sei. Der DOM empfiehlt das „Fest der Begrüßung“, wenn das Papamobil durch die Straßen Paderborns rollt, warnt jedoch, zur Messe im Dom zu kommen, die für geladene Gäste reserviert ist. In Bad Lipp­springe können Speisen und Getränke vor und nach dem Gottesdienst erworben werden. „Gotteslob und Auto“ sollten zu Hauses bleiben, empfiehlt Der DOM, verweist auf die Gebets- und Liedtexte, die ausgegeben werden, und druckt Zug- und Busfahrpläne ab.

Ein doppelseitiger Plan des Gottesdienstgeländes in der Senne – bis 1945 ein Militärflugplatz, danach von den britischen Streitkräften als Sport- und Veranstaltungsgelände genutzt – zeigt mit farbigen Flächen die Blocks, die wie in einem Fußballstadion den Teilnehmern zugewiesen werden. Verboten sind „größere Taschen“ oder „an Stäben befestigte Transparente“. Sogar auf Fragen, die niemand stellt, gibt die Bistumszeitung Antwort: Auch wenn der Papst nicht kommen sollte, findet der Gottesdienst auf jeden Fall statt.

(Einen ausführlihcen Rückblick mit zahlreichen Bildern finden Sie in der gedruckten Ausgabe des DOM.)

Karl-Martin Flüter

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