Allerheiligen statt Halloween?

Gedanken zu 1 Joh 3,1-3

Huch ... Halloween zelebriert den Grusel. (Foto: KNA)

 

Was bei Halloween eine Frage bleibt, findet durch Allerheiligen eine Antwort.

Allerheiligen hat seit einigen Jahren Konkurrenz bekommen. Der aus Amerika kommende Brauch, am Vorabend von Allerheiligen Halloween zu feiern, breitet sich auch hierzulande mehr und mehr aus. In den letzten Jahren treffe ich immer wieder Kinder und Jugendliche, die davon berichten, sie seien zu einer Halloween-Party eingeladen.

Ursprünglich wurde Halloween vor allem in Irland begangen. Vielleicht geht es auf das alte keltische Fest Samhain zurück. Nach keltischem Glauben war es den Geistern der Toten an Samhain möglich, in der Welt der Lebenden zu erscheinen und dort allerlei Unheil anzurichten. Es war schaurig, ja sogar gefährlich, diesen Geistern aus dem Totenreich zu begegnen, besonders weil sich mit den Geistern der Toten auch Hexen und Dämonen zeigen konnten, mit denen man es nun wirklich nicht zu tun bekommen wollte. Deshalb zündete man Strohfeuer an, um die Geister fernzuhalten. Man verkleidete sich, um von ihnen nicht erkannt zu werden. Und man höhlte Rüben aus, schnitt ein Gesicht hinein und entzündete darin eine Kerze, um so die Geister abzuschrecken. Das ganze Fest hatte einen dunklen, geradezu gruseligen Charakter.

Hinter dem Halloweenfest steht also die Frage nach dem Tod, näherhin nach dem Verbleib der Toten: Was geschieht nach dem Tod? Wo bleiben die Verstorbenen? Können sie mit den Nachgeborenen in Kontakt treten – und, wenn ja, wie: Nützt es den Lebenden, oder ist es eher bedrohlich und gefährlich?

Die Bräuche des alten Halloweenfestes sind geprägt von Angst und Unsicherheit: Wenn die Toten auf den Plan kommen und unter den Lebenden erscheinen, muss man mit allem rechnen und demzufolge gewappnet sein.

Der Tod ist in der Tat eine Macht, die unheimlich ist und die wir Menschen nicht beherrschen können. Das kann uns fürwahr Angst machen. Und an dieser Stelle kommt der christliche Glaube ins Spiel: Als sich nämlich in Irland das Christentum verbreitete, setzte es gegen das dun­kle Halloween das helle Allerheiligenfest. Papst Gregor IV. beschloss 837, die Bräuche der Kelten zu „christianisieren“. Anstatt sie unter großem Widerstand abzuschaffen, ordnete er an, dass der 1. November, also der Tag nach Halloween, von der Kirche als „Tag aller Heiligen“ gefeiert werden solle. Darin kommt zum Ausdruck: Was am „Vorabend“ von Allerheiligen, an Halloween, noch im Dunklen liegt, nämlich das wirkliche Schicksal der Verstorbenen, tritt an Allerheiligen ans Tageslicht: Die Verstorbenen leben nicht in einer Zwischenwelt, die weder Himmel noch Hölle ist, sondern sie leben bei Gott – und zwar ganz im Licht seiner Gegenwart. Der Blick auf die Heiligen, unsere Vorfahren im Glauben, zeigt es uns. Ihre Vollendung in Gottes Herrlichkeit ist die Vorausschau auf das Schicksal, das Gott allen Menschen verheißen hat, die auf ihn vertrauen: Das Dunkel weicht dem Licht, die Unsicherheit dem Vertrauen auf Gottes Macht.

Freilich wissen auch wir Christen nicht genau, was uns nach dem Tod erwartet. „Was wir sein werden“, heißt es im ersten Johannesbrief, „ist noch nicht offenbar geworden“ (1 Joh 3,2). Was jedoch sicher ist, so der Johannesbrief, ist die Tatsache, dass wir jetzt schon Kinder Gottes sind (Vers 1). Als solche tragen wir bereits heute etwas von Gott in uns, und eben dies wird sich einmal vollenden und dann zum Vorschein kommen: „Wir werden ihm ähnlich“ sein: ganz „himmlisch“ wie er, ganz „heilig“ wie er (Vers 2). Unsere Zukunft ist also nicht mehr offen und unwägbar, sodass wir zur Hälfte hoffen dürfen und zur anderen Hälfte Angst haben müssten: Denn wir sind Kinder Gottes durch und durch. Für immer.

Deshalb können wir am Vorabend von Allerheiligen gelassen die Geister des neu-­heidnischen Halloween walten lassen und unseren Blick auf die Heiligen richten: auf unsere Vorbilder im Glauben, die ihr Ziel bereits erreicht haben – und in uns die Hoffnung auf Vollendung stärken.

Msgr. Dr. Michael Menke-Peitzmeyer

Der Autor ist Domkapitular und Regens des Erzbischöflichen Priesterseminars Paderborn

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