Alle Religionen werden akzeptiert

„Projekt für Empathie gegen Rassismus“ mit Schülern kommt gut an

Balve. „Was wäre, wenn Deutsche nach Ägypten fliehen müssten?“, fragte sich Maria Schäfer-Hahne. Die Lehrerin für katholische Religion an der Hauptschule Balve nahm dieses Gedankenexperiment mit in die 10. Klasse, und stellte dort das dazu passende Buch: „Krieg: Stell dir vor, er wäre hier“ vor. Die Autorin Janne Teller stellt am Beispiel einer Familie dar, was passieren könnte, wenn das demokratische System in Deutschland zusammengebrochen wäre. Auf 52 Seiten hat Teller die Handlung beschrieben, inzwischen ist das Buch fünf Mal neu aufgelegt worden.

Mit großem Eifer engagieren sich die jungen Menschen für das Projekt. Fotos: Kolossa

 

von Julius Kolossa

Für Maria Schäfer-Hahne war dieser „Krieg“ ein tagesaktueller Anlass, die Flüchtlingsperspektive einzunehmen, wie sie erzählt. Dazu wurden Kontakte zu Balver Hauptschülern, Gymnasiasten aus Sundern und Berufskollegschülern aus Iserlohn geknüpft, „und auch zehn Flüchtlinge aus dem Irak, Iran, Syrien, Albanien und Afghanistan machen mit“. Insgesamt sind es 20 Teilnehmer im Alter von 16 bis 30 Jahren, die eingebunden sind in das von der Pädagogin ins Leben gerufene „Projekt für Empathie gegen Rassismus“. Ergebnisse sollen im Rahmen der „Jungen Kirche“ am 17. März in der Langenholthausener Kirche als Lesung, Theaterstück und auch mit Musik dargestellt werden. Hierfür trifft sich eine Band, in der Gitarre, Geige, Klavier, Cello, E-Bass und Percussion gespielt werden.

Spannend war das erste Treffen, bei dem der Text gelesen und übersetzt werden musste. Tief in die Materie der Gefühlswelt wurde eingedrungen, als beispielsweise die Bedeutung von „sich rächen“ erklärt wurde, berichtete die Pädagogin. Sie war auch bei der letzten Kompaktprobe Ende des vergangenen Jahres mit dabei. Hier greift vieles inei­n-ander: Freya Müller und Lisa Reese leiten die Theatergruppe, Ghaiss Aldabbag und Anna Hahne die Musiker, Robert Hahne bereitet sich darauf vor, den Text vorzulesen.

„Alle trauen sich, mitzumachen. Alle sind voll engagiert“, erzählt Maria Schäfer-­Hahne, die sich überwiegend im Hintergrund hält und nach der Kennenlernphase die Projektteilnehmer selbst agieren lässt. „Alle Religionen werden akzeptiert – und es war auch für Muslime kein Thema, in der Kirche zu spielen.“ Wie und was am Tag der Premiere zu sehen sein wird, ist auch für die Pädagogin noch nicht ganz klar. „Der Weg zum Ziel ist eigentlich das Schöne da­ran“, denkt sie laut nach, wie sich das Projekt in den verbleibenden drei Monaten noch entwickeln wird. In einer Kleingruppe wird überlegt, wie „Langeweile im Camp“ szenisch dargestellt werden kann, die Musiker denken nach, „Einsamkeit“ oder auch „Angst“ in Töne umzusetzen. Es wird konzentriert gearbeitet.

Noch gibt es keine Idee, wie es nach der „Jungen Kirche“ weitergehen soll. Weitere Aufführungen sind zurzeit nicht in Planung – dabei seien bisher eigentlich schon bedeutungsvollere Ziele erreicht worden, stellt Schäfer-Hahne dar: „Berührungsängste sind abgebaut, Freundschaften und Bekanntschaften aufgebaut worden.“

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