Alle müssen umdenken

Ein Kommentar von Andreas Wiedenhaus

Zahlen sind abstrakt: Besonders, wenn sie jenseits der Vorstellungskraft liegen. Experten gehen davon aus, dass es im Jahr 2050 in Deutschland rund drei Millionen Menschen geben wird, die an Demenz leiden. Es sei denn, derartige Krankheiten lassen sich medizinisch in den Griff bekommen. Danach sieht es momentan aber nicht aus.

Demenz wird also in den kommenden Jahren zu einer echten Herausforderung – in erster Linie natürlich für die Erkrankten und ihre Familien, für Mediziner und Pflegefachleute. Darüber hinaus müssen sich aber auch diejenigen, die nicht direkt betroffen sind, mit der Vorstellung vertraut machen, in den unterschiedlichsten Situationen mit Menschen in Kontakt zu kommen, die an Demenz leiden.

Noch verstecken sich viele Erkrankte oder werden von ihren Angehörigen „versteckt“. Das mag falsch sein, ist aber nachvollziehbar: Angestarrt werden und Bemerkungen hinter vorgehaltener Hand machen den Alltags manchmal zum Spießrutenlauf. Hinzu kommt oft der Punkt, dass Freunde, Bekannte und Verwandte den Kontakt abreißen lassen. Wo man sich früher gegrüßt hat auf der Straße, wird auf einmal weggeschaut.

Mit Demenz „normal“ umgehen, kann durchaus gelingen, wie einzelne Initiativen zeigen. In Arnsberg zum Beispiel gibt es das Projekt „Weiter denken“. Dort wird versucht, Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen nicht nur zu entlasten, sondern ihnen die Teilhabe am Leben in der Kommune und der Gesellschaft zu ermöglichen. Angesichts der zu erwartenden Entwicklung wird es viele solcher Ansätze brauchen. Doch eine Alternative gibt es nicht. Wegschauen ist keine Lösung.

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