50 Jahre an der Orgel

Leo Geers aus Gütersloh war ein Leben lang mit Leib und Seele Kirchenmusiker

50 Jahre lang war Leo Geers Organist. Im Alter von 90 Jahren spielt er noch für sich und seine Frau an seiner kleinen Orgel zu Hause in Gütersloh-Avenwedde. Foto: Leskovsek

 

Gütersloh (wl). 50 Jahre lang war er Küster und Organist, später auch Chorleiter: Leo Geers aus Gütersloh-Avenwedde. Seit 1961 wohnt der gebürtige Emsländer dort. Für sein sympathisches Wesen wird er allgemein geschätzt. Zufrieden mit sich und seinem Leben feiert er an diesem Sonntag seinen 90. Geburtstag.

Leo Geers hat immer versucht, aus dem Glauben heraus zu leben, beteuert er. Offen und herzlich zu sein und ein großes Herz für Menschen zu haben, denen es nicht so gut geht, waren ihm persönlich immer wichtig.

Seine Wiege stand 1926 im Emsland in einem kleinen Dorf. Als guter Schüler konnte er das zehn Kilometer entfernt liegende Gymnasium besuchen. Geers hatte schon als Junge ein großes Ziel: Er wollte Organist werden. Doch dann kam der Krieg. Er musste als Jugendlicher die Schule noch vor dem Abitur unterbrechen, kam zur Luftwaffenhilfe, zum Arbeitsdienst, zur Pioniers-Ausbildung nach Köln und von da aus direkt an die Front. Verletzt wurde er zum Glück nicht, aber zum Kriegsende 1945 geriet er in Frankreich in amerikanische Gefangenschaft. Zwei Jahre verbrachte er dort und kam schließlich unversehrt zurück. Geers machte 1949 sein Abitur nach und wollte dann Musik studieren. Die nächste Musikhochschule war jedoch in Münster. Das war zu weit weg. So nahm er schließlich 1951 eine Küsterstelle in Meppen an. Er machte seine Ausbildung zum Organisten schließlich privat in Bochum – neben seiner Arbeit. Zwei Jahre später ging er als Küster und Organist nach Wanne-Eickel und bewarb sich 1961 auf eine Stelle in der Herz-Jesu-Kirche Avenwedde als Küster, Organist und Chorleiter.

Er wurde eingestellt und seitdem ist Geers ein richtiger Gütersloher geworden. Er kam mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern nach Gütersloh. Seine Frau verstarb viel zu früh an Krebs. In seiner Trauer kaufte er sich eine kleine Orgel und konnte, wann immer er wollte, mit der Musik seinen Kummer verarbeiten. Doch das Glück meinte es gut mit Leo Geers. Er lernte einige Jahre später eine neue Frau kennen. 1990 gaben sich die lebenslustige gebürtige Rheinländerin Elisabeth und Leo Geers das Ja-Wort. Sie wohnen in ihrem Eigenheim in der Immelstraße, wo eine der beiden Töchter mit ihrem Mann das obere Stockwerk bewohnt. Die zweite Tochter wohnt in Bielefeld. Dort lebt auch das einzige Enkelkind des langjährigen Organisten.

Geers sagt heute rückblickend, dass er genau den richtigen Beruf gewählt hat, der für ihn mehr eine Berufung war. Er hat gerne die Lieder für die Eucharistiefeiern herausgesucht und wenn er die Messen an der Orgel begleitete, dann lag da ganz viel Leidenschaft und Herzblut drin. Auch als Chorleiter und Küster war er sehr beliebt. Er hat in seiner 50-jährigen Dienstzeit schon einige Pfarrer und Vikare erlebt, und verstanden hat er sich mit allen.

Bis 1990 war Geers hauptberuflicher Küster, danach hat er bis vor zehn Jahren nur noch die Orgel gespielt. Die Chorleitung musste er aufgeben, weil er Probleme mit den Stimmbändern hatte und nur noch leise reden konnte.

Heute liest er viel, am liebsten religiöse Texte, geht einmal in der Woche mit seiner Elisabeth zum Schwimmen, jeden Sonntag in den Gottesdienst, und manchmal setzt er sich auch heute noch an seine Orgel und spielt – dann nur noch für sich und seine Frau.

50 Jahre lang war Leo Geers Organist. Im Alter von 90 Jahren spielt er noch für sich und seine Frau an seiner kleinen Orgel zu Hause in Gütersloh-Avenwedde. Foto: Leskovsek

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