400 Jahre

Geistlicher Glaubensimpuls

Eishaie können bis zu 400 Jahre alt werden, so war neulich zu lesen, und für ein Sekündchen ist man fast neidisch: Wow, 400 Jahre! Aber schon wenige Informationen über den Alltag eines solchen Tieres kühlen diese Empfindung dramatisch herunter.

von Claudia Auffenberg

Der Eishai lebt vor Grönland, zumeist in zwei Kilometern Tiefe – also da, wo es saukalt, dunkel und abgeschieden ist. Da kriegt man doch sofort das Frieren, so will man natürlich nicht leben und schon gar nicht 400 Jahre lang. Man ist schließlich Mensch und kein Eishai und bitte: Als Mensch kann man so nun wirklich nicht leben. Das Bedrückende ist, dass es womöglich Menschen gibt, die so leben. Nicht in der Tiefsee vor Grönland natürlich, sondern hier bei uns, unter uns, vielleicht sogar nebenan. Menschen, deren Leben ohne Licht, ohne Wärme und ohne Beziehungen ist.

Kann man das dann eigentlich noch Leben nennen oder ist es nicht eine Art Tod vor dem Tod? Im Gleichnis vom barmherzigen Vater sagt dieser über seinen verlorenen Sohn: „Er war tot und lebt wieder. Er war verloren und ist wiedergefunden worden.“

Der Vater spricht ja nicht vom medizinischen Tod, nicht vom Exitus, sondern von eben jenem Tod vor dem Tod. Der Sohn war tot, er war nicht mehr lebendig. Und lebendig sein heißt doch: in Kontakt mit sich und anderen sein, gesehen werden, Beziehungen haben. Der Sohn hatte das alles nicht mehr, er war verloren. Er war der Welt und sich selbst abhanden gekommen – bis ihn ein letzter Rest Wärme traf, die Erinnerung an das Elternhaus. Nun glauben wir Christen an einen Gott der Lebenden und nicht der Toten und heißt das nicht, dass dieser Gott Jesu ein Gott des Lichtes, der Wärme und vor allem: der Beziehungen ist?

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