1. Katholikentag – frauenfreie Zone

Man glaubt es kaum...

Vom 3. bis 6. Oktober 1848 fand der erste deutsche Katholikentag statt – damals noch als „Generalversammlung neugegründeter katholischer Vereine“, organisiert vom Pius-Verein für religiöse Freiheit.

Lehrerin, Redakteurin, Politikerin: Hedwig Dransfeld. 1912 nannte sie der „Vorwärts“, das Zentralorgan der Sozialdemokratie, die „bedeutendste Frau der Gegenwart“. Foto: KNA

 

von Lena Maull

Ganze 168 Jahre ist dies nun schon her, aber erst in diesem Jahr wurde das 100. Jubiläum des Katholikentags in Leipzig gefeiert. Das liegt daran, dass es 1870, um den Ersten Weltkrieg (1914-1920) und zwischen 1933-1948 keine Katholikentage gab. Seit 1950 werden sie regelmäßig alle zwei Jahre – im Wechsel mit den evangelischen Kirchentagen – veranstaltet. Und katholische Frauen feierten 2016 sogar erst ihren 40. Katholikentag!

Bis 1921 waren Frauen nur als Gäste bei den öffentlichen Veranstaltungen zugelassen, alle Redner auf den Bühnen waren ausschließlich Männer und auch von der Vorbereitung des Katholikentags waren Frauen ausgeschlossen. Im Zuge der Vorbereitungen für den 50. Katholikentag 1903 in Köln wurde dann jedoch der KDFB (Katholischer Deutscher Frauenbund) gegründet. Ein bekanntes Mitglied war die in Dortmund geborene Hedwig Dransfeld, die ihre Lehrerausbildung am Königlichen Katholischen Seminar in Paderborn absolvierte. Sie wurde 1920 Reichstagsmitglied und war schließlich 1921 die erste Frau, die als Vizepräsidentin bei der Organisation des Katholikentages aktiv mitwirken konnte. Mittlerweile sind Frauen zu einem festen Bestandteil der Katholikentage geworden und die Organisation und Durchführung der Katholikentage ohne Frauen sind heute nicht mehr denkbar.

Neben der seit der Jahrhundertwende in Vorträgen thematisierten „Frauenfrage“ spielten und spielen immer politische Themen eine große Rolle. 1848 von der deutschen Revolution inspiriert, forderte der erste Katholikentag Rechte wie Versammlungs-, Vereins-, Presse- und Religionsfreiheit für katholische Deutsche. Nach dem Preußisch-Französischen Krieg wurde der Kulturkampf gegen die katholische Bevölkerung zentrales Thema der Katholikentage, ebenso wie die spätere Auseinandersetzung mit dem aufkommenden Nazi-Regime und die deutsche Wiedervereinigung. Als turbulentestes Treffen gilt der Katholikentag 1968 in Essen. Es erhob sich damals erstmals offener Widerstand gegen die Amtskirche und sogar Rücktrittsforderungen an Papst Paul VI. wurden laut, nachdem dieser in seiner Enzyklika „Humanae Vitae“ künstliche Verhütungsmittel verboten hatte.

Auch der Katholikentag 2016 behandelte aktuelle heikle Themen wie die steigende Beliebtheit der AfD und den Rechtsruck in Europa. Der 101. Katholikentag wird 2018 in Münster stattfinden und unter dem Leitwort „Suche Frieden“ stehen. Unter diesem Motto wird sich an vieles erinnert: An den 400 Jahre zurückliegenden Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges und seine Schlichtung in Münster, an das 100 Jahre zurückliegende Ende des Ersten Weltkrieges und auch daran, dass der Deutsche Katholikentag dann vor genau 170 Jahren zum ersten Mal stattfand und seitdem vieles bewegt wurde.

 

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