Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Zweierlei Maß an Blasphemie

Der große Buchverlag „Random House“ (Bertelsmann) hat einen Roman über die Frau des Propheten Mohammed zurückgezogen. Grund waren mögliche Proteste aus islamischen Kreisen, die der Verlag nach einer negativen Rezension einer Professorin aus Texas erwartet. 


Christian Schlichter (44) ist Chefredakteur des DOM

Unzählige Fernsehsendungen, Tatorte, Comedy-Shows, ganz zu schweigen von Anzeigenwerbung bis hin zu Büchern (Dan Brown) haben das Empfinden von Christen in den vergangenen Jahren verletzt. Wie viele Dummheiten, Provokationen bis hin zu Obszönitäten schon über den Herrn Jesus und seine Apostel ausgegossen worden sind, scheint unzählbar. Mit den Jahren setzte zwar Gewöhnung ein und wurde der Protest immer stiller. Doch das Grummeln bleibt.
„Wir wollen durch Gegenreaktionen die Urheber nicht noch wichtiger machen“, vermeiden offizielle kirchliche Stellen heute fast jegliche Reaktion auf Blasphemie und öffentliche Besudelung des christlichen Glaubens. Das sei die Freiheit des Künstlers, der Satire oder der Meinung, reden sich Sendeanstalten bis Werbeagenturen heraus.
Das Bild beim Islam sieht da ganz anders aus. Da reicht der Protest einer völlig unbekannten Professorin irgendwo aus Texas – und der große Verlag Random House zieht mal eben ein Buch zurück. Aus Angst vor Protesten.
Das Maß ist voll. Wann werden verletzende Fernsehsendungen, schmähende Kinofilme oder beleidigende Bücher verboten, in denen das Christentum gelästert wird? Muss es dazu erst Gewaltandrohungen geben?
Der Fall Random House zeigt, dass sich Protest lohnt. Auch auf die Gefahr hin, dadurch für einen fundamentalistischen christlichen Hardliner gehalten zu werden, Zuschauer und Leser sollten sich zu Wort melden.


24.05.2012
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